Coronavirus — Angst, Sorge , Wachsamkeit oder Panikmache?

Ein Meinungsbeitrag von Dr. Marita Kalinowski

So schnell und dauerhaft schaff t es kaum jemand in die Schlagzeilen wie das Coronavirus. Tägliche Meldungen über steigende Zahlen von Infi zierten und Toten und das Heranrücken an unsere Haustür halten uns in Atem. Dem Virus ist es Ende 2019 gelungen, von seinem eigentlichen Fledermaus-Reservoir über einen chinesischen Meeresfrüchtemarkt die ersten Menschen zu infi zieren , um bis heute ( Stand 30.1.2020) ca. 7700 Menschen zu befallen und für den Tod von 170 Menschen verantwortlich zu sein.

Wie macht es uns krank?

Zunächst brauchen wir einen Kontaktmenschen, der das Virus in sich trägt. Der Überträger muss ( noch ) nicht erkrankt sein, musste aber Kontakt mit einem anderen Virusträger gehabt haben. Kontaktmann oder - Frau kann uns dann mit einigen Sekrettröpfchen ( z. B. Schleim aus Mund und Nase beim Husten oder Niesen ) anstecken. Dann dauert es 2-14 Tage ( sog. Inkubationszeit) bis wir die ersten Symptome spüren. Da das Virus die unteren Atemwege bevorzugt, kommt es zu Husten, Fieber und Muskelschmerzen. Der normale Schnupfen fehlt meist, er ist eher ein Zeichen eines grippalen Infekts, einer Infektion der oberen Atemwege.

Und genau wie bei allen anderen Erkrankungen, entscheidet unsere körpereigene Abwehr über den weiteren Verlauf. Antibiotika haben bei Virusinfektionen keine Chance, sie kommen lediglich zur Therapie weiterer bakterieller Infektionen zur Anwendung. Antivirale Medikamente können ggfs. eingesetzt werden. Zur Vermeidung einer Virusausbreitung sind die durchgeführten Maßnahmen ( Quarantäne, rasche Isolation möglich Infi zierter ) die sinnvollsten Maßnahmen. Die Diagnose kann innerhalb von Stunden durch einen Test gesichert werden. Eine Impfung gibt es nicht. Alle Institutionen ( Gesundheitsämter, Labore, Robert- Koch Institut) sind ausgesprochen wachsam und die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein Menschen-vernichtendes Virus handelt ist unendlich klein Off ensichtlich haben wir ein Faible für Neues, Unbekanntes, vermeintlich Gefährliches. Ähnlich wir beim Krimi mögen wir das Kribbeln, die Faszination einer Angst, die uns vielleicht bedrohen könnte. Viel weniger interessieren uns die weltweit jährlich mehr als 140 000 Tote durch Masern ( WHO 2018) mit einer hohen Dunkelziff er. Und das trotz guter Impfstoff e. Meist sind es Kinder in Afrika, denen der Zugang zu Impfstoff en fehlt oder aber Menschen, die in konfl iktreichen Gebieten leben. Im Vergleich starben in Europa 35 Menschen an einer Maserninfektion. Natürlich gilt es, wachsam zu bleiben. Aber nicht nur unserer eigenen Ängste wegen- wir sollten unseren Blick schärfen für die Krankheiten, die medienunwirksam den Globus beherrschen, aber täglich Tausende Menschenleben kosten

Dr. Marita Kalinowski
(FA für Allgemeinmedizin)
Gemeindevertreterin
Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen