Das Märchen vom vergesslichen Wandlitz

Es war einmal ein Königreich namens Wandlitz.

In Wandlitz wuchsen die Häuser höher und schneller als die Bäume. 

Das gefällt uns nicht, sprachen die Untertanen“, und legten eine Bausperre fest, um zu regeln, dass die Häuser nicht ganz so breit und nicht ganz so hoch werden und sich dem ursprünglichen Ortsbild anpassen sollen. 

Sie beauftragten die Verwaltung damit, die genaue Maße und Richtlinien festzulegen. Die Untertanen freuten sich und vergaßen vor lauter Freude, dass die Sperre nur zwei Jahre gelten würde und danach doch wieder hoch und breit gebaut werden konnte, wenn die Verwaltung nicht innerhalb der zwei Jahre nähere Richtlinien festlegt. 
Die Verwaltung legte die Richtlinie nicht rechtzeitig fest. 

„Warum habt ihr so lange nichts getan“?, fragten die empörten Untertanen.

„Das war alles so schwierig“, sprach die Verwaltung.

„Warum habt ihr uns nicht rechtzeitig informiert, dass alles so schwierig ist?“, fragten die Untertanen.

„Das haben wir vergessen“, antwortete die Verwaltung.

In diesem Augenblick meldete sich hastig der König der Verwaltung zu Wort: „Ich habe auch was vergessen!“

„Was hast du vergessen?“, wollten die neugierigen Untertanen wissen.

„Ich habe vergessen, dass ich ein Grundstück habe“, sagte der aufgeregte König.

„Wo hast du dein Grundstück?“, wollten die Untertanen wissen.

„Ich habe mein Grundstück in dem Gebiet, in dem die Verwaltung versäumt hat, die Baurichtlinien in zwei Jahren festzulegen, so dass die Häuser nun in den Himmel wachsen können“.

Ein Raunen ging durch die Reihen der Untertanen. Sie kratzten sich an Kopf und Kinn und fragten ihren König: „Dein Grundstück ist Gold und Edelsteine wert, wenn die Sperre ausläuft und man darauf große und breite Häuser bauen kann.“

„Ich habe nichts Unrechtes getan“, sagte der König. Und damit hatte er recht. Der Hofmarschall holte das schwere Buch der Gesetze hervor und wandte sich an die Untertanen: „Der König kann nichts dafür, dass die Verwaltung langsam arbeitet, und bedenkt, es ist dem Königreich kein Schaden entstanden“.

„Ich vertraue unserem König nicht mehr, das ist ein Vertrauensschaden“, sprach Untertan Nummer eins. „Wenn die Häuser in den Himmel wachsen, ist das auch ein Schaden. Kein finanzieller, aber ein mentaler“. wütete Untertan Nummer zwei.

 „Du bist der König, warum hast du nicht dafür gesorgt, dass deine Verwaltung schneller arbeitet oder rechtzeitig Bescheid gibt?“ fragte Untertan Nummer drei. „Das hat er vergessen!“, mischte sich der Hofnarr ein, wackelte mit seiner Narrenkappe, steckte den Untertanen die Zunge raus und zog lachend von dannen.

Und wenn sie´s nicht vergessen haben, ärgern sich die Untertanen noch heute und Wandlitz wächst und wächst und wächst……! 

- Assol Urrutia-Grothe
Vorstandsmitglied SPD Wandlitz
Ortsbeiratsmitglied Wandlitz