Der Tag der Befreiung und seine Bedeutung für uns alle

Ein Meinungsbeitrag von Gabriele Bohnebuck

Der Tag der Befreiung wird in verschiedenen europäischen Ländern als Gedenktag begangen, an dem der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 gedacht wird. Teilweise als stiller Gedenktag und teilweise als Feiertag mit großer öffentlicher Beteiligung.

Im Gegensatz zur DDR erfuhr er in der frühen Bundesrepublik Deutschland wenig öffentliche Aufmerksamkeit, denn Schande und Schuld sollten keine Würdigung verdienen. Erst zum 40. Jahrestag, dem 8. Mai 1985, veranstaltete der Deutsche Bundestag auf hohem protokollarischem Niveau eine Gedenkstunde, in deren Zuge der Bundespräsident Richard von Weizsäcker in der Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft den 8.Mai als „Tag der Befreiung von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete.

Befreit wurden Hunderttausende, die aus politischen, rassischen, religiösen u.a. Gründen Gefangene in den Zuchthäusern, Konzentrations- und Vernichtungslagern waren. Aber auch nicht inhaftierte Menschen, welche mit der NSDAP-Diktatur nicht konform gingen und teilweise aus dem Untergrund gegen diese kämpften. Durch direkte Kriegseinwirkungen, aber auch durch Verbrechen an der Bevölkerung starben schätzungsweise 80Mill. Menschen, davon lediglich ca. 6.355.000 Deutsche. Die Hauptlast der Toten trug die Sowjetunion mit ca. 27Mill. Menschen; und wir dürfen es nicht vergessen, auch die Hauptlast des Kampfes gegen den Nationalsozialismus.

IM GEGENSATZ ZUR DDR ERFUHR ER IN DER FRÜHEN BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND WENIG ÖFFENTLICHE AUFMERKSAMKEIT

Seit 2015 ist der 8. Mai in Brandenburg ein offizieller Gedenktag. In Berlin wurde er in diesem 75. Jahr der Befreiung einmalig ein gesetzlicher Feiertag. Bereits 2018 hatte der Bundeskongress des DGB beschlossen, sich für einen bundesweiten Feiertag einzusetzen. „Dieser Tag soll ein Tag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Form werden. Es soll außerdem darauf hingewirkt werden, dass an diesem Tag bundesweit Veranstaltungen zum Thema Antifaschismus durchgeführt werden.“

Ich würde es gerne erweitern, es sollte auch ein Tag der Völkerfreundschaft werden. Was passiert ist, können wir nicht ändern, aber wir sollten beweisen, dass wir daraus gelernt haben und der vielen Toten gemeinsam mit Freunden aus unseren Partnerstädten gedenken und zeigen, wie bewusst wir mit unserer Vergangenheit leben.

Gabriele Bohnebuck
Fraktionsvorsitzende
DIE LINKE Wandlitz