Mit dem Elektroauto durch den Nordosten Brandenburgs

„Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.“ 

Im Rahmen ihrer Sommertour traf Carla Kniestedt MdL (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) in der Uckermark, in Oberhavel und im Barnim auf Menschen, die Wege suchen oder schon gefunden haben. Die Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion für ländliche Räume, Soziales und Gesundheit stellte sich dabei einer besonderen Herausforderung. Darüber haben wir mit ihr gesprochen.

Frau Kniestedt, Sie waren im August auf Sommertour. Wahrscheinlich mit dem Fahrrad, wie sich das für eine Grüne gehört, oder?

Mit dem Fahrrad sind die weiten Wege durch den Nordosten Brandenburgs kaum zu überwinden. Jedenfalls nicht, wenn man täglich mehrere Termine an verschiedenen Orten absolvieren will. Der ÖPNV ist im Barnim und erst recht in der Uckermark, vorsichtig formuliert, ausbaufähig. In so einer Situation muss erst mal jeder für sich einen Weg finden. Ich habe mich dazu entschieden, einen neuen zu suchen und auszuprobieren. Dazu habe ich mir bei den Stadtwerken Prenzlau einen kleinen Elektro-Flitzer geliehen.

Beim Thema Elektroauto stellt sich ja zuerst die Frage nach der Reichweite. Hatten Sie keine Angst mitten in der Schorfheide liegen zu bleiben?

Auch wenn die Schorfheide wunderschön ist, will ich da natürlich nicht ungewollt festsitzen. Es kommt, wie so oft, drauf an: Wie groß ist der Tank oder der Akku und dementsprechend die Reichweite? Bin ich mit dem PKW unterwegs, sollte ich grundsätzlich die Tankanzeige im Blick behalten und wenn der Sprit zur Neige geht, ungefähr wissen, wo die nächste Tankstelle ist. Genauso ist es beim E-Auto und mit den Ladesäulen. 

Die Reichweite mag im Vergleich zu seinen großen elektrisch fahrenden Brüdern bescheiden sein, aber selbst mit dem Elektro-Smart der Stadtwerke lassen sich Touren und Termine so planen, dass man quer durch die Uckermark und den Barnim kommt – und darüber hinaus. Also klare Antwort: Zu Beginn der Tour war schon ein bisschen Abenteuer-Feeling dabei, aber Angst hatte ich keine.

Wie weit sind Sie denn mit einer Ladung gekommen?

Mit einer Ladung kamen wir theoretisch knapp 150km weit. Realistisch kommt man von Lychen über Templin nach Prenzlau und wieder zurück – auch wenn die Klimaanlage kühlt. Das haben wir getestet. Während der Sommertour mussten wir nur einmal eine Strecke über 150 km zurücklegen. Da es aber selbst im kleinen Oderberg schon eine Ladesäule gibt, war das kein Problem.

Wie war das sonst beim Laden? Haben Sie immer eine Ladesäule gefunden?

Die Ladesäulen sind meistens zentral gelegen. So ließ sich ein Ladevorgang immer mit einem Termin, einer Kaffeepause oder dem geplanten Einkauf auf dem Markt verbinden.
Die Stadtwerke Prenzlau haben mir die Shell Recharge-App empfohlen. Ein Blick auf die Karte und ich sehe, wo eine Ladesäule zu finden ist, an der meine Ladekarte funktioniert, ob sie gerade frei ist und wie schnell dort geladen werden kann. Genutzt haben wir aber ohnehin in den meisten Fällen die Ladesäule der Stadtwerke Prenzlau auf dem Marktplatz im heimatlichen Lychen und die Ladesäule von E.ON auf dem Beethovenplatz in Templin, ein paar Schritte von meinem Wahlkreisbüro entfernt.

”Der kleine Flitzer, mit dem ich unterwegs war, bietet sich an für regelmäßige kurze Strecken, als Zubringer zum Zug, fürs Unterwegssein in Prenzlau, Eberswalde, Bernau oder Wandlitz – in den Städten eben. Da wäre das eine sinnvolle Anschaffung.

Mussten Sie auch mal Umwege in Kauf nehmen?

Umwege haben wir nur dann gemacht, wenn wir mal eine bestimmte Ladesäule eines bestimmten Anbieters ausprobieren wollten, weil sie uns besonders empfohlen wurde.

Und wo laden Sie am liebsten?

Am bequemsten und kostengünstigsten war es, das Auto tagsüber im Rahmen der Reichweite zu nutzen und dann, wenn nötig, am Abend an die heimische Steckdose zu hängen. Das dauert deutlich länger als an der Säule. Stört mich aber nicht, wenn ich schlafe. Und ich hatte auch ein Problem weniger: Bei allen Ladesäulen draußen – in der freien Wildbahn gewissermaßen – wollte ich das Kabel über Nacht nicht rumliegen lassen. Da hatte ich kein gutes Gefühl. Ich bin dann auch schon mal spät zur Ladesäule spaziert, um das Gefährt nach Hause zu holen.

Würden Sie den Bürgerinnen und Bürgern, die derzeit vor der Entscheidung für ein neues Fahrzeug stehen, die Anschaffung eines Elektroautos empfehlen?

Jede größere Anschaffung will gut überlegt sein. Ich verstehe, dass das bei vielen Menschen noch das Budget übersteigt. Ich würde empfehlen, das Nutzungsverhalten und die vorhandenen Lademöglichkeiten zu überprüfen. In Abhängigkeit davon würde ich auch die Anschaffung eines E-Autos, einer VBB-Umweltkarte, eines Pedelecs oder eine andere Art der Mobilität empfehlen. Denn ich glaube, dass wir in der nächsten Zeit einen Mix aus verschiedensten Varianten haben werden, mit denen wir von A nach B kommen. Der kleine Flitzer, mit dem ich unterwegs war, bietet sich an für regelmäßige kurze Strecken, als Zubringer zum Zug, fürs Unterwegssein in Prenzlau, Eberswalde oder Bernau – in den Städten eben. Da wäre das eine sinnvolle Anschaffung.

Welches Fazit ziehen Sie nach drei Wochen mit dem Elektroauto im ländlichen Raum?

Für mich steht fest: Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege. Die Elektromobilität ist schon lange über den Status Trampelpfad hinaus und eine von vielen verschiedenen Möglichkeiten, mobil zu sein.

Frau Kniestedt, vielen Dank für das Gespräch.