Schwarze Brühe

Erneuter Ärger mit dem NWA 
Ein Meinungsbeitrag von Wolf-Gunter Zätzsch.

Als ob die Corona-Krise noch nicht reicht, um sich zu ärgern, gab es Mitte August in unserer Gemeinde ein weiteres Problem, das die Gemüter der Anwohner in Aufruhr versetzte.

In mehreren Bereichen floss plötzlich pechschwarzes Wasser aus den Filtern und Leitungen und verursachte damit erheblichen Unmut. Zuerst gab es Anfragen aus dem Luisenhain, dann meldeten sich immer mehr Bürger aus den verschiedensten Wohngebieten. 

Was war geschehen? Das schwarz-flockige Wasser geht auf Eisen-Mangan-Verbindungen zurück, die im Grundwasser vorkommen und über die kommunalen Wasserwerke (immer mal wieder) in die Trinkwasserversorgung des NWA gelangen und sich dann an deren Rohrwänden absetzen. Das kommt schon vor, aber wie geht man damit um? Bei einer regelmäßigen Wartung und Spülung des Rohrnetzes lassen sich diese Ablagerungen reduzieren oder beseitigen. An dieser Stelle beginnt das Problem. Der Verbandschef des NWA, Matthias Kunde, reagierte auf die Beschwerden der Bürger ziemlich ungehalten. Er sieht die Ursache für die Verschmutzungen in einem erhöhten Wasserverbrauch aufgrund der hohen Temperaturen. Es stimmt, dadurch lösen sich die Ablagerungen im Rohrnetz. Das ist aber nicht die Ursache, sondern das Ergebnis einer offensichtlich mangelnden Wartung der Anlage. Er empfahl, dass die Nutzer die Wasserfilter selbst reinigen, am besten jeden Tag. Eine tolle Idee. Mit Bürgernähe hat das aber nichts zu tun und mit der Wahrnehmung der Obliegenheiten eines Wasserverbandes gleich gar nicht.

Erst am 21. Februar 2019 fasste die Gemeindevertreterversammlung nach monatelangen Diskussionen auf Antrag der damaligen Fraktion der EBWP einen Beschluss zur Entwicklung des NWA. 

Es ist ja nicht so, dass jetzt plötzlich ein paar Probleme auftauchen, die man mal so auf die Schnelle lösen kann. Der NWA steht schon seit Jahren in der Kritik. Namentlich der Bürgerverein Wandlitz e.V. hat sich immer wieder mit den Unzulänglichkeiten in der Leitung dieses Betriebes der kommunalen Daseinsvorsorge befasst. Das blieb aber bislang ohne große Resonanz. Erst am 21. Februar 2019 fasste die Gemeindevertreterversammlung nach monatelangen Diskussionen auf Antrag der damaligen Fraktion der EBWP einen Beschluss zur Entwicklung des NWA. Er enthält mehrere Punkte, wie man die Arbeit des Betriebes verbessern müsste. Dazu zählt die Schaffung eines Kundenbeirates, die Prüfung des künftigen Standortes des NWA und Verbesserungen im Umgang mit den Bürgern. Trotz der konkreten Forderungen ist allerdings bis heute nicht allzu viel passiert. Und im konkreten Fall mit dem schwarzen Wasser wurden nun erneut etliche Bürger vor den Kopf gestoßen. Mehrere der von der unappetitlichen Angelegenheit betroffenen Einwohner haben sich an den NWA gewandt und erhielten keine Antwort. Auf die Frage warum das so sei erwiderte der Verbandsvorsteher Matthias Kunde, er sei nun mal kein IT-Experte und könne nicht klären, wo die vielen E-Mails geblieben sind. Außerdem habe er im Moment andere Sorgen.

Bei all diesen Problemen ist die Frage nach der ungesetzlichen Erhebung von Altanschließerbeiträgen noch nicht berücksichtigt. Was ist mit den rund acht Millionen Euro geschehen, die der NWA hier kassiert hat? Was ist geplant, um die zu geringe Durchlassfähigkeit der Wasserleitungen zu verändern? Probleme in der Zusammenarbeit mit dem NWA und dessen Erfüllung seiner Aufgaben gibt es nicht erst seit August diesen Jahres. Sie sind seit Jahren bekannt. Aber durch die Gemeindevertreter und die Verbandsversammlung gab es bislang nur geringes Interesse, hier etwas grundsätzlich zu ändern. Wenn jetzt Stimmen laut werden die nach einer außerordentlichen Verbandsversammlung rufem, können wir das nur als Aktionismus klassifizieren. Es bedarf keiner Hauruck-Aktion. Es würde völlig genügen, den Gemeindevertreterbeschluss von 2019 endlich umzusetzen und Herrn Kunde klar zu machen, dass die Bürger der Gemeinde Wandlitz die Kunden des NWA sind, und nicht umgekehrt.

Eines ist sicher: Wir bleiben weiter an den Problemen dran, vielleicht mit etwas mehr öffentlicher Unterstützung.

Wolf-Gunter Zätzsch
Vorsitzender des 
Bürgervereins Wandlitz e.V.
Fraktion BVB/Freie Wähler, 
sachkundiger Einwohner