Bürgerprotest gegen Bauvorhaben im Zentrum Basdorfs

Seit einigen Wochen gibt es nur noch ein höchst brisantes Gesprächsthema in der Nachbarschaft. Ein Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes „Fliederstraße“ bei der Gemeinde Wandlitz sorgt bei den Anwohnern für blankes Entsetzen. Das bislang unerschlossene Baugrundstück befindet sich in zweiter Reihe im Innenbereich zwischen Fliederstraße und Nelkenstraße. Jetzt soll diese grüne Oase, dessen Bäume vielen Vogelarten als Nist- und Brutstätten dienten und weiteren zahlreichen Tieren wie Eichhörnchen oder Fledermäusen eine Heimat gaben, einem völlig überbauten Wohnpark mit 14 Wohneinheiten und 20 PKW Stellplätzen weichen.Viele Versuche diese Grundstücke zu bebauen scheiterten in den vergangenen Jahren immer wieder an der problematischen Lage. Da die zu bebauenden Flurstücke einen Inselcharakter besitzen, sind diese ausschließlich über einen schmalen, unbefestigten Sandweg erreichbar. Ob diese enge Zufahrt den Anforderungen als Evakuierungs,-/Rettungsweg oder einer Feuerwehrzufahrt entspricht darf zumindest bezweifelt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich mitten in der besagten einzigen Zufahrt eine unter Naturschutz stehende 213 Jahre alte Eiche befindet, die eine Erschließung der Grundstücke quasi unmöglich macht. Sämtliche Medien wie Kanalisation, Wasser, Strom, Gas müssten also unter der Eiche entlang der Einfahrt verlegt werden. In der Brandenburgischen Baumschutzverordnung ist unter §4 Absatz 1 der Schutz solcher Naturdenkmäler klar definiert und untersagt „...alle Einwirkungen auf den Wurzelbereich von geschützten Bäumen, welche zur nachhaltigen Schädigung oder zum Absterben des Baumes führen könnten“.

Viele der direkten Anwohner haben diesen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes seit dem 21.04.2020 durch alle Distanzen der Gemeinde begleitet und in den Ausschusssitzungen ihre Bedenken vorgetragen. Auch wenn vom Bauträger bereits Kompromissbereitschaft bezüglich der maßlosen Überbauung signalisiert wurde, so blieben doch viele gravierende Fragen unbeantwortet. Unter anderem ist geplant zwei riesige Stadtvillen mit je 46 Wohneinheiten direkt vor den nur wenigen Metern entfernten Terrassen der Grundstücke 25-26-27-28 zu errichten, was zwangsläufig zur Verschattung und somit zum massiven Wertverlust der Anwohnergrundstücke führen würde. Darauf wurde ebenso wenig eingegangen, wie auf die angezeigten Bedenken bezüglich der zunehmenden Lärmbelästigung, des erhöhten CO2-Ausstoß und der beeinträchtigten Privatsphäre. Dieser geplante Wohnkomplex steht in krassem Widerspruch zum Leitbild der Gemeinde Wandlitz und wird mittlerweile von über 100 Anwohnern rund um die Fliederstraße abgelehnt und in einer Unterschriftensammlung dokumentiert. Leider fand auch dieses eindeutige Votum am 14.05.2020 trotz kontroverser Diskussion keine Mehrheit in der Gemeindevertretung. Dem Antrag wurde mit 15 JA Stimmen gegen 7 Nein Stimmen bei 3 Enthaltungen stattgegeben. 

Mit dieser Entscheidung wurde das finanzielle Interesse eines einzelnen Privatinvestors über das öffentliche Interesse vieler Bürger gestellt. §3 unseres Grundgesetzes besagt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. „Niemand darf...benachteiligt oder bevorzugt werden“. Und doch scheint es hin und wieder so, als wären manche Leute gleicher als andere...

Doch es gab auch positive Aussagen in den Ausschüssen zu vernehmen, die an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollen. Obwohl die besagte Eiche im ersten Planungsentwurf bereits nicht mehr eingezeichnet war, gab es auf Nachfrage die klare Aussage vom Bauträger, dass die Eiche und alle weiteren schützenswerten Bäume auf dem Grundstück selbstverständlich erhalten bleiben. Auch seitens der Gemeindevertreter gab es dazu unmissverständliche Aussagen. „Die Eiche ist nicht verhandelbar.“ war im Umweltausschuss zu vernehmen, sogar von Ankettung einzelner Abgeordneter zum Schutz der Eiche war die Rede. Große Worte die Hoffnung machen, an denen sich aber ab sofort sowohl der Bauträger als auch die Gemeinde messen lassen müssen, denn die Bagger werden kommen, auch wenn Sie in der Fliederstraße und Umgebung niemand will. 

Manfred Jaeche