„Die Croods -Alles auf Anfang“

Nach dem erfolgreichen ersten Teil 2013 kommt jetzt ein neuer Animationsfilm mit den Croods. Dies ist im besten Sinne ein „Familien-Film“ - über eine Familie aus der Steinzeit und ein völlig eigenständiges, pralles Urzeit-Abenteuer, das mit uns mehr zu tun hat, als man glauben könnte. 

Für das Heidekrautjournal sprach Philipp Teubner mit Janin Ullmann und Uwe Ochsenknecht, zwei der  deutschen „Stimmen“. 

Was für eine Geschichte: Familie Croods hatte, nachdem ihre Höhle im ersten Teil eingestürzt war, das scheinbar sichere Leben aufgegeben und zieht nun nomadisch durch eine ziemlich durchgeknallte Steinzeit. Flora und Fauna waren vor Millionen von Jahren vermutlich eine andere als die, die wir heute kennen - aber was sich die Filmemacher hier ausgedacht haben, ist schon ganz schön bizarr. Munter wurden alle möglichen Arten gemischt und heraus kamen die wildesten Kreaturen: grasende Mamut-Kühe, kuschelige Wolfs-Spinnen und wilde Alligator-Hunde sind da noch die normalsten Erscheinungen. Da diese wilde Ur-Welt kein sicherer Ort für eine Familie ist (hinter jedem Felsen verbirgt sich eine weitere tödliche Gefahr) sehnt sich die Ur-Sippe nach einem Ort wie Ihre alte Höhle: Warm, geschützt und beständig.

Auf einmal stehen sie vor einer Mauer - sie wissen zwar nicht so genau was das eigentlich ist, aber hinter dieser Mauer ist es paradiesisch schön: Nahrung in Hülle und Fülle und keine gefährlichen Kreaturen. Wenn da nicht die Bessermanns  wären. Diese Familie ist schon ein bisschen weiter in der „Mensch-Werdung“ und sie genießen all die neumodischen Erfindungen einer selbst-geschaffenen Bleibe. Die Croods kannten nur die dunkle Höhle, die Bessermanns haben Türen und Fenster - da kann man sogar ‚rausgucken -   fast wie Fernsehen! 

Die Mauern schützen vor Gefahren und man hat die angebauten Lebensmittel nur für sich. Zuerst finden sich die zwei Familien ja noch interessant -   die Croods sind in den Augen der Bessermanns ein bisschen zurückgebliebene Exoten, doch als sie Gefallen am modernen Leben finden, wollen die Bessermanns sie schnell wieder loswerden - auf die andere Seite der Mauer, wo sie hingehören...

Die Sprecher der animierten Steinzeitcharaktere sind mit ausgewiesenen Profis besetzt. In Falle des Familienoberhaupts Grug sorgt im englischen Original Nicolas Cage für den angemessenen Tonfall. Und der deutsche Grug ist Uwe Ochsenknecht.  

Uwe Ochsenknecht: 
Vielleicht sind die Menschen heute immer noch nicht ganz so weit von der Steinzeit weg. Die Situation, wie sie ist, schaffen wir ja selbst. Und wenn einer denkt, man braucht Mauern, dann werden die halt gebaut... Und dann werden Mauern wieder abgerissen, und manche sagen: „War vielleicht blöd, wär schöner, wenn die wieder da wär.“ Es ist auch ein bisschen erschreckend, wenn man in die Richtung denkt, dass wir Menschen heute nicht so viel anders sind als die Menschen damals...

Die Filmemacher haben ihre Chancen voll ausgereizt, und der Aufwand beginnt nicht bei der Animation, sondern zunächst und vor allem bei der Bucharbeit, bei der künstlerisch-intellektuellen Vorleistung. In der Hinsicht sind deutsche Animationsfilme eher zaghaft und orientieren sich ausschließlich am Kinderpublikum. Die Hollywood-Animateure -   hier vor allem Regisseur Chris Sanders - man erinnert gern seinen wunderbaren „Drachenzähmen leicht gemacht“ -   spielen da in einer ganz anderen Liga.

Uwe Ochsenknecht: 
Es ging ja nicht darum, einen animierten Dokumentarfilm über die Steinzeit zu machen. Es ist  eine erfundene Geschichte für Kinder -   aber auch für Menschen, die Kinder geblieben sind, so wie ich. Das ist einfach schön - man kann mit dem Computer richtig ‘rumspinnen. Am Anfang ist es so, dass die in einer Höhle wohnen, mit viel Stein und Sand und so weiter... Dann kommt man in so eine Phantasiewelt. Das ist ja auch für die Beteiligten im Film etwas Neues. Das Schöne ist, bei so einem animierten Film kann man mal übertreiben, da ist das erlaubt, da kann man der Fantasie so richtig freien Lauf lassen. Das wird hier gemacht, und es ist wirklich sehr liebevoll bis ins Detail ausgearbeitet. Mit viel Zeitaufwand, aber auch mit viel Geld!

Die Heldin des Films ist die wilde Steinzeit-Tochter Eep - im Original mit viel Verve gesprochen von Oscar-Preisträgerin Emma Stone und die deutsche Stimme heißt Janin Ullmann.

Janin Ullmann:
Ich habe immer gehofft, dass es einen zweiten Teil geben wird - ich hab‘ richtig darauf hin gefiebert! Ich liebe dieses Projekt, bin sehr verknallt in Eep und finde, wie sich die ganze Geschichte weiterentwickelt hat, so toll. Es ist ein so schöner Film geworden. Ich habe gelacht und geweint - das ist immer ein gutes Zeichen, finde ich. Ich mag auch, dass es so relevante Themen hat und das gehört für mich zum Animationsfilm dazu, dass man sich zum einen unterhalten fühlt, Spaß hatte und in eine neue, andere Welt entführt wird für ein, zwei Stunden - aber auch was mitnehmen kann. Und das geht mir bei den CROODS genau so!
Welche kreativen Möglichkeiten hat man, wenn man „nur“ mit der Stimme schauspielern darf?

Janin Ullmann:
Mehr als man denkt! Zum einen ist es erst mal komisch, weil ich eher jemand bin, der mit seinem ganzen Körper funktioniert. Mich so auf die Stimme zu fokussieren, fand ich wahnsinnig spannend. Dadurch, dass ich Eep schon sehr gut kenne - auch aus dem ersten Teil - fiel es mir sehr leicht, wieder in die Rolle ‘reinzuspringen. Ich mag sie vom Charakter und vom Wesen unglaublich gerne. Sie ist superaktiv, sehr stark und selbstbewusst. Sie hat auch diese „steinzeitliche“ Stimme -  so aus dem Bauch heraus. So ‘ne leichte, liebevolle Aggression in ihrer Stimme. Die liebe ich sehr, dieses Nachdrückliche -   zu wissen, was man will. Dass man das mit der Stimme erzeugen kann ist ‘ne tolle Herausforderung. Ich bin im Studio sehr aktiv mit ihr. Also eigentlich alles, was man sieht, was Eep macht, habe ich auch im Studio gemacht. Irgendwann holt sie sich so ‘ne fette Schweinskeule und dann beißt sie da rein... Ich hatte leider keine Schweinskeule, bei mir war‘s sehr viel Brot und ein Teebeutel, den ich auch noch im Mund hatte.

Als man Ihnen zur Besetzung sagte: Sie sind der ideale Höhlenmensch - war das nicht eine Beleidigung?

Uwe Ochsenknecht: 
Nee -   das ist ein Kompliment. Man darf nicht unterschätzen - Synchronarbeit muss man auch können. Da stellt man sich nicht einfach 3 Tage 8 Stunden lang vors Mikrophon und spricht irgendwas vor sich hin. Diese Worte mit der richtigen Einstellung, mit der richtigen Stimmung, passend für die richtige Figur, für die richtige Situation zu treffen - und dann noch im richtigen Timing - das ist schon Arbeit und ganz schön anstrengend. Das ist eher ein Kompliment! 
Das knallbunte Spektakel mit den Croods tut ausgesprochen gut und es ist erfreulich, dass wir den Film nun 2021 sehen können. Ein kraftvoller Auftakt in ein hoffentlich großes Kinojahr!

- Philipp Teubner

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