Die Mauer war weg

Kapitel 1
Die aufregendsten Monate unseres Lebens

„Packt Eure Sachen, ich zeige Euch sicheren Weg über Grenze“ Sagte unser Schwager Fery, als wir im Fernsehen verfolgten, was sich an der Österreichisch ungarischen Grenze abspielte. Es war August 1989 und wir verlebten 2 Wochen am Balaton, in Siofok, wohin die Liebe Gabis Schwester verschlagen hatte.  „Du spinnst doch“ meinten wir. Wir verlassen doch nicht Haus und Garten und unser Sohn ist gerade bei der NVA.  „ Die machen wieder dicht. „ meinte Feri, und es wäre die Chance.

Wir hatten ein schönes Haus, ordentliche Arbeit und es stimmte schon, das auch wir uns nach der Freiheit sehnten, die als Menschenrecht irgendwann in Helsinki festgeschrieben worden war und ohne die sich der Homo Sapiens nicht hätte auf den Weg aus der afrikanischen Savanne nach Norden machen können. Dann verkündete Dietrich Genscher den in der Prager Botschaft der BRD ausharrenden DDR Bürgern eine bis dahin unvorstellbare Entscheidung der DDR Regierung. Die Leute konnten in den Westen fahren.

Was passierte hier plötzlich ? Zerbröselte das von uns bis dahin zum Teil gefürchtete und meist mit den schönsten Witzen kommentierte System einfach ??

Ich konnte mich noch an 1953 erinnern oder an Prag 1968. Gnadenlos reagierte der Arbeiter und Bauernstaat, wenn das Volk vom Kurs abzuweichen drohte. Es waren dann ja auch immer von außen eingeschleuste Agenten, die Unruhe stifteten. Stets waren  auch die Russen zur Stelle, um mit ihren Panzern klar zu machen, “wer nicht für uns ist ,ist gegen uns.“ Mit dieser eisernen Sicherheit im Rücken muddelte eine verknöcherte Nomenklatura Jahrzehnte vor sich hin. Den sprichwörtlich weltweit geachteten deutschen Fleiß die Disziplin seiner Bürger und den Intellekt seiner Wissenschaftler, verbuchten sie als Merkmal der Überlegenheit zum –stinkenden ,verfaulenden Kapitalismus-  wie Marx ihn genannt hatte.

Dahin flüchteten nun aber Tausende und man begann zaghaft, aber deutlich von Veränderung zu sprechen.
Die DDR abzuschaffen, war zunächst nicht Ziel derer, die begannen immer mutiger und offen ihre Meinung zu sagen.Reisegesetze müsste es geben und offen über alles geredet werden. Glasnost. Und das kam sogar aus dem Osten ?? aus Polen und der Sowjetunion, dem Bruderland? Dem „Bornquell“ aller sozialistischen Lehren.
Ziemlich verängstigt trauten wir uns eines Abends in die Gethsemane Kirche, um den von der Stasi misstrauisch, aber doch geduldeten Vorträgen der mutigsten unter uns zu lauschen. 

Einer meiner Kollegen verriet mir von den Aktivitäten seines älteren Bruders und der heimlichen Gründung der Ost SPD in Schwandte. Es begann eine aufregende Zeit, eine nie gekannte Aufbruchsstimmung. Auf der MMM in der Werner Seelenbinder Halle diskutierten wir mit dem Parteisekretär und dem BGL Vorsitzenden unseres Betriebes (der Oberflußmeisterei Berlin) Und Hannes, der BGL-ler 
meinte : „ es würde nun alles den Bach runter gehen, aber in 50 Jahren würde man die Oktoberrevolution wiederholen.

Ein Herr Gysi forderte im Fernsehen ein neues und moderates Reisgesetz, die Stasi wurde ständig zur Transparenz aufgefordert. Dann die beiden gewaltigen Demonstrationen vor dem Roten Rathaus und auf dem Alex. Mit dem Satz von Stefan Heym “es ist ,als würde ein Fenster aufgestoßen, nach Jahren der Dumpfheit und des Miefs“

Herrliche Karikaturen von Egon Krenz , mit riesigen Ohren, gefletschten Zähnen und Bananen als Ohrschmuck. Es war einfach herrlich und jetzt würden wir es doch noch packen, glaubten wir. Die Bonzen würden aufgeben und uns das Feld überlassen müssen. Mielke in der Volkskammer – Ich liebe Euch doch alle , ich liebe doch alle Menschen. Es war nicht mehr zum Aushalten. Und vor dem Trottel hat ein  ganzes Land gezittert ?

Dann der Abend – die Pressekonferenz – Schabowski: „ ja unverzüglich sofort, das tritt sofort in Kraft.“ 
Die Mauer war offen und ungebremst strömten die Massen über die „ Böse Brücke „ an der Bornholmerstraße.
Die Jugendredaktion 1199 besuchte „Honnihausen“  die Wandlitzer Waldsiedlung und interviewte Einen, der sich noch vor die Kamera getraute. Ein runder Tisch wurde installiert und endlich nach 40 Jahren konnte auch echte Kritik am System geäußert werden.

Ich marschierte über die offene Wollankstraße und die Panke entlang, bis zur Reinickendorfrstraße im Wedding. Das dortige Wehr wollte ich mir anschauen und Ideen klauen, für meine Arbeit.

Es würde ja nun alles besser werden. Vernunft und Sachverstand würde das uneffektive Bonzenregieme ad -absurdum führen und der Traum von einer besseren Welt doch noch wahr werden.

Peter Liebehenschel

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert