Die Mauer war weg

Kapitel 2

Ein Land und seine Ideen gehen unter.

1947 geboren, hatte ich nur diese eine Wahrheit kennen gelernt. Die Produktionsmittel müssten dem Volke gehören, niemand einen anderen ausbeuten dürfen. Frieden und Freundschaft mit allen Völkern der Welt sei die Zukunft der Menschheit. Aber eben unter Führung der Partei der Arbeiterklasse, der SED und nach dem Vorbild der ruhmreichen Sowjetunion, die uns vom Hitlerfaschismus befreit hatte.

Stets wachsam vor dem Klassenfeind jenseits der Elbe und den Washingtoner Globalstrategen. Blöd war nur, dass die Menschen im Westen Deutschlands auch deutsch sprachen, Mit zunehmender Perfektionierung der Medien, der Blick dahin nicht zu vermeiden war und ein immer krasserer Unterschied vor allem im Konsumwohlstand nicht zu übersehen war.

Der Wettbewerb oder Konkurrenzkampf und der Markt, neben dem Profi tstreben, als Triebfeder der Wirtschaft, waren faktisch abgeschaff t worden. Lenin hatte das erkannt und den „ Sozialistischen Wettbewerb „vielleicht auch die Planwirtschaft erdacht.- Was tun ?? hat er geschrieben. Fatalerweise machten nicht Volkswirtschaftlich geschulte, sondern Parteinomenklatura Kader die Pläne. Sie vergaßen Wäscheklammern oder Schlüpfergummi einfach, den vorher ein kleverer Kleinunternehmer als Marktniesche erkannt und sich zu Nutzen gemacht hatte. Mit einer nicht konvertierbaren Binnenwährung und eiserner Abschottung nach Westen, war Handel mit der Welt ( ausgenommen den Warschauer Vertragsstaaten) nur als Wahrenhandel und zu unverschämt miesen Bedingungen, möglich. Es fehlte irgendwann an Allem. Kupfer und ordentliche Farbpigmente ……Endlos könnte die Aufzählung sein.

So war die DDR eben Grau und die Elektrokabel aus Aluminium, das zum Brechen neigt. Wir erfanden das Fahrrad noch einmal und wenn es keine Wäscheklammern gab, musste ein Möbelkombinat mal eben so nebenbei eine sogenannte Bevölkerungsproduktionsstrecke aufl egen. Oder ein Betrieb, der eigentlich Turbinen und Kesselanlagen herstellte, baute noch Elektrorasierer. Auch diese Aufzählung wäre endlos und in ihrer Kuriosität kaum zu übertreff en.

Die DDR hat sogar ein Passagierfl ugzeug mit Strahlturbinenantrieb entwickelt. Es fl og und sah toll aus. Aber passte nicht in das Konzept des „ Bruders „ Sowjetunion. Ich habe das Werk in Dresden Klotzsche von innen gesehen. Die hätten es mit Sicherheit gekonnt. Wie ein zu enger Anzug schnürte das Bonzensystem jede Initiative ein und der in der Moderne immer mehr zunehmende Wunsch, Urlaub in der Ferne zu machen und vielleicht die Schönheiten unseres Planeten mit eigenen Augen zu sehen, sollte für immer unerfüllbar bleiben. Zu groß war die Angst .-und vor dem Mauerbau berechtigt – das Volk bzw die Fachkräfte würden einfach abhauen.

Wir wollten aber nicht ausharren, und die blühende schöne Welt unseren Enkeln überlassen. Jetzt lebten wir und wollten den uns zustehenden Teil vom Kuchen abhaben. Es war eine Parallelkultur entstanden. Neben dem nach außen vorgetäuschten- angepassten Verhalten gab es das Zuhause, den Freundeskreis oder das getuschelte Pausengespräch mit Arbeitskollegen, denen man vertraute. Da wurde Klartext geredet, auch im Wissen die STASI könnte dabei sein. Auszuhalten war das Alles eben nur mit dem Vortragen der herrlichsten Witze über die „ Witzfi guren da oben. Ulbrichts Genuschel, seine der Sächsischen Mundart geschuldeten kuriosen Stilblüten. Egon Krenz mit seinem frenetischen Ausruf auf dem Flughafen Schönefeld, als Angela Davis aus den USA zu uns kam „ ----unsere geliiiebte Ääänschelloo“ na so ähnlich hat es wohl geklungen. Apropo sächsisch. Durchaus lieblich kann das Gefl üster einer Geliebten in diesem Dialekt klingen- habe ich erlebt – Aber die Führungspositionen und besonders der Sicherheitsorgane, waren von diesem „Volksstamm“ besetzt. Das hat besonders in Berlin für viel Unmut und Spott gesorgt. Bei den „ konspirativen „ Grillabenden habe ich oft verlauten lassen, dass zur Qualifi kation eines nach „ Höherem „ strebenden und vielleicht noch für eine Politkarriere, es von Vorteil sei, einen Sprachfehler zu haben oder eben aus Leipzig zu kommen.

Peter Liebehenschel