Großen Bauvorhaben im OT Basdorf und fehlende Infrastruktur

Die Politik ist getrieben von der Zeit. Den politischen Akteuren aller Ebenen bleibt eine Legislaturperiode, um vorhandenes weiterzuführen und neues auf den Weg zu bringen. Man will sich bei bestimmten Themenfeldern profilieren, um sich am Ende, wenn der Wähler wieder gefragt ist, von anderen abzuheben, denn sie werden an dem Erreichtem gemessen. Dabei geht es nicht um die Befriedigung einzelner Interessengruppen, sondern um die Belange des Allgemeinwohls, denn sie sind unsere Volksvertreter. Dieser großen Verantwortung müssen die Abgeordneten sich immer wieder vor Augen halten. Daher ist wichtig, dass sich Bürger in wichtigen Fragen mit einbringen und den Verantwortlichen eine Außenreflektion ihres Handelns aufzeigen, damit ggf. ein Gegensteuern erfolgten kann.
 
Es geht nicht ums Meckern oder das Verhindern notwendiger Baumaßnahmen, sondern um konstruktive Kritik, die mich dazu bewogen hat, auf der letzten Gemeindevertreter-versammlung am 08.10.2020, im Rahmen der „Einwohnerfragestunde“, auf das Kernthema, die fehlende Infrastruktur bei steigendem Wachstum in der Gemeinde Wandlitz, hinzuwesen.  

Jahrzehnte hat die Gemeinde Wandlitz auf Wachstum gesetzt und dabei auf ein Verkehrs- und Infrastrukturkonzept verzichtet. Das geht nun nicht mehr, wir haben einen Stand erreicht, wo man vor dem Erfordernis eines solchen Konzeptes nicht länger die Augen verschließen kann. Die geplanten Bauvorhaben im Bereich der Waldheim – Rosenstraße  in Basdorf mit Wohnbebauung von 80-100 WE, Kita, Schule mit 800-1000 Schülern, Praxisräume bis hin zu einer Schwimmhalle, ob in dem Umfang realisierbar oder nicht, sei mal dahingestellt, führen zu immensen Auswirkungen auf die fehlende Infrastruktur.  Auf Grund der starken Zentrierung der hohen Baumasse auf einen relativ kleinen Bereich, müssen die einzelnen Bauvorhaben nicht einzeln, sondern im Zusammenhang betrachtet und vor allem in Abwägung aller Belange mit Sorgfalt entschieden werden. Grundsätzlich ist die Frage der Erschließung zu klären, denn diese muss gemäß BauGB gesichert sein. Mit Erschließung ist alles gemeint, Verkehrs-, Strom-, Gas-, Wasser und Abwassererschließung. Gerade im Bereich Wasser-Abwasser haben wir in der Gemeinde erhebliche Probleme. Das hat sich ja in den letzten Jahren schon mehrfach gezeigt und dies betrifft nun nicht mehr nur die Sommermonate. 

Besonders problematisch ist die Verkehrserschließung des Kita- und Schulstandortes in dem o.g. Bereich.

• Auf der B-Planfläche Rosenstraße soll auf 13.000 km² eine Kita mit 80 Plätzen und eine zusätzliche Schulsportaußenanlage und ggf. noch eine Mensa entstehen. 

Problematisch hier der Zu- und Abgangsverkehr und der Anlieferungsverkehr der Versorgungsfahrzeuge für die Kita, da es nur eine provisorische nicht ausgebaute Anbindung an die Rosenstraße gibt. Zur Erinnerung, die Rosenstraße ist nach langem Ringen erst in diesem Jahr grundhaft ausgebaut worden. Eine Anbindung von der Rosenstraße auf diese Fläche wurde in der Ausführung aber nicht mit berücksichtig. 

• Des Weiteren verfestigt sich der Gedanke, eine Gesamtschule auf der Fläche des jetzigen Sportplatzes zu errichten. Das bedeutet, nicht nur der gesamte Zu-und Abgangsverkehr zur vorhandenen Grundschule und dem Kitabereich Wackelzähne, sondern auch der Verkehr, der neuen Kita und der Gesamtschule erfolgt von der L100 über die Waldheimstraße. Schon jetzt bricht jeden Morgen das Verkehrschaos aus, wenn die Kinder mit dem Auto zur Schule und Kita gebracht werden und sich der Autoverkehr durch die Waldheimstraße und dann durch das Nadelöhr Dahlienweg (Einbahnstraße) quälen muss. Der Bus kommt noch hinzu.

Da herrschen untragbare und verantwortungslose Verkehrszustände, die nicht noch weiter zugespitzt werden können. Städtebauliche Planungen dienen unter anderem zur Entzerrung von Problemzonen, nicht zur Verschärfung dieser.

Und ganz nebenbei, wäre es auch für den Vereinssport ein erheblicher Rückschritt, wenn der Sportplatz für diesen wichtigen Freizeitbereich entfallen würde. In Hinblick auf die schon zu wenigen Aktivitätsbereiche für Kinder und Jugendliche in der Gemeinde, wäre das ein Zeichen mit ganz schlechter Außenwirkung.

Kopfschütteln löst auch die Idee aus, Stichwege zur B273 zu öffnen, um den Durchgangsverkehr durch Waldheim umzuleiten. Dies würde dann dazu führen, dass  das Chaos in seiner höchsten Form perfektioniert ist. Dann können wir uns von unserem Leitbild  „Wandlitz- echt schön hier“ in Gänze verabschieden. 

Deshalb möchte ich noch mal an alle Gemeindevertreter appellieren, lassen Sie Vernunft und Sachverstand walten. Machen Sie bei Ihren Entscheidungen nicht den 2. vor dem 1. Schritt, sondern werden Sie sich Ihrer hohen Verantwortung bewusst. Wie soll sich Wandlitz in den nächsten 10/20 Jahren entwickeln? Wo wollen wir stehen?
Wollen wir unsere schönen landschaftlichen Schätze, die zahlreichen Seen, die Wälder, die dörflich geprägte Siedlungsstruktur, all das, was Wandlitz ein Alleinstellungsmerkmal gibt, erhalten und schützen? So dass wir aus zukünftig noch sagen können „ Wandlitz- echt schön hier. 
Oder, wollen wir uns davon verabschieden? Weg von der Dorfstruktur, hin zum städtischen, getrieben vom wirtschaftlichen Aspekt, wo Wachstum um jeden Preis im Fokus steht? Wollen wir das wirklich?
Wenn die v. g. Bauvorhaben umgesetzt werden sollen, muss erst ein vernünftiges Verkehrs- und Infrastrukturkonzept her. Und erst wenn wir die Voraussetzungen geschaffen haben, können wir auch Bauvorhaben weiter umsetzen.
Lernen wir aus gemachten Fehlern. Fehler im Nachhinein zu korrigieren, gestaltet sich erfahrungsgemäß immer als sehr schwierig und sehr kostenintensiv und sie lassen sie sich auch nicht immer beheben. 
Wenn Basdorf zum Zentralstandort für Kita und Schule entwickelt werden soll, dann sollte Kita und Schule dort platziert werden, wo ausreichend Platz für Baukörper und Außenanlage gegeben ist und wo ein geordneter Verkehrsfluss für den Zu-und Abgangsverkehr sowie Parken sichergestellt werden kann? Zum Beispiel in den „Basdofer Gärten.

Das sind die Problempunkte, die zu klären sind.
Ich bitte daher alle Volksvertreter, die aufgeführten Aspekte noch mal zu überdenken und im weiteren Entscheidungsprozess einfließen zu lassen. Finden Sie eine zukunftsorientierte Antwort auf die anstehenden Probleme und bringen Sie das in Ihrem Handeln, im Interesse und zum Wohle der ansässigen Bürgerinnen und Bürger von Wandlitz zum Ausdruck.

- Liane Baumgarten