Redaktion des Heidekrautjournals

Sehr geehrter Herr Pfeiffer

Sie hatten im HKJ 01/2021 um ein „Feedback“ gebeten. Dem möchte ich gern nachkommen, obwohl ich Ihr Journal nur ausgesprochen selten zugestellt bekomme.
Gern deswegen, weil ich mich gut 15 Jahre an der Redaktion einer Bürgerzeitung, des „Basdorfer Info“, versucht hatte. Sicher mit mehr oder weniger Zuspruch der Leser. Außerdem war ich 30 Jahre (bis 2014/15) aktiver Kommunalpolitiker in Basdorf / Wandlitz, kenne die Entwicklung und die Probleme, teilweise auch noch die handelnden Personen, die aktuelle Situation.

Das HKJ ist meines Erachtens begehrt, weil es (a) äußerlich etwas hermacht, schön bunt und (b) vielseitig ist, sowie (c) in den kommunalpolitischen Artikeln sehr wohl der Finger auf die aktuellen Wunden gelegt wird. Im letzteren Fall trifft das auf die Artikel Bl. 10 und 11, 14 und 15 zu – erfahrene Kommunalpolitiker analysieren die Lage und zeigen ihre Sicht auf mögliche Lösungen. 

Der Normalleser, der vor Ort mehrheitlich weit über 50 Jahre alt, nicht unbedingt über einen Hochschulabschluss verfügt und kommunalpolitisch relativ unbedarft ist, kann sich eine Meinung bilden. Relativ unbedarft meint, der Mitbürger weiß zwar, was ihm nicht gefällt, was verbessert werden müsste, aber Kenntnisse dazu wer, was, wie zu verantworten hat, die Zusammenhänge sind ihm nicht so klar. Wenn ich Ihnen hier so ausführlich das Bild des Normallesers vorstelle, will ich Ihnen damit auch sagen, dass mir das Volkstümliche im Stil des HKJ fehlt. 

Das Sahnehäubchen der Nr. 01 ist für mich das „Märchen vom vergesslichen Wandlitz“. Eine journalistische Kostbarkeit! Volkstümliche Darstellung. Schön, dass man über etwas schmunzeln kann, was eher zum Weinen ist.

Kritisch betrachte ich Ihre Neigung, möglichst auch elitäre, weltpolitisch bedeutungsvolle Probleme „wissenschaftlich“ anzugehen (Bl. 18 – 21). Oder wollten Sie das HKJ nur füllen? 

Die angesprochenen Artikel über Demokratie und über Machtpolitik der EU, sind das eigentlich Ausschnitte aus Vorlesungen oder Diplomarbeiten? Oder sind es Eigenkreationen? Ich bin 84 Jahre alt, Hochschule, das war vor über 50 Jahren, also mein Intellekt reichte zum Verstehen nicht mehr aus. In früheren Zeiten war ich für meine Schachtelsätze berüchtigt. So schöne, ellenlange und kaum verständliche, wie Herr Krüger in „Demokratie am Boden“ sind mir nie gelungen. Aber zumindest ist mir nach diesem Artikel verständlich, warum gut 80 % der Weltbevölkerung von dieser komplizierten, atlantischen Demokratie nichts hält. Solches bla – bla – bla kann die Leser langweilen.

Aus dem Artikel „Machtpolitik …“, Autor nicht genannt, habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass die Außenpolitik der BRD ganz wesentlich darin besteht, nach Osten und Südosten bei „Verwerfungen“ nicht so sehr nach Lösungen, Kompromissen zu suchen, sondern sich einzumischen, abgestufte Sanktionen anzudrohen und einzusetzen. Strafrechtlich wäre das Nötigung, Erpressung, hier aber „europäische Berechenbarkeit – ökonomische Muskelspiele“. Naja, war mir eigentlich schon vorher klar.

Mein Fazit und mein Rat: Das HKJ sollte sich auf die regionale Kommunalpolitik konzentrieren. Den Anwohner interessiert, was hier in seiner unmittelbaren Umgebung, heute und später und warum passiert. Weil das sein alltägliches Leben und das seiner Familie direkt beeinflusst. 

Bundes-, EU- und Weltpolitik in redaktioneller Verantwortung zu behandeln, ist für ein HKJournal(!) „hochgestochen“. Und da Ihr sowieso nur den Mainstream stromlinienförmig, wenn auch hochintellektuell nachbetet, auch überflüssig. Langeweile ist nicht förderlich für eine „Bürger“zeitung. Es gibt schon genügend Medienerzeugnisse, bei denen man nach Lesen der Überschrift den folgenden Text, die Richtung, voraussagen kann. Also wer und welcher Staat gewürdigt und wer beschimpft und verleumdet wird.
Wissenschaft und „Große“Politik sollten draußen bleiben, sofern sie nicht unmittelbar Wandlitzer Bürgerinteressen berühren oder Meinungsäußerungen von den Bürgern sind. 

Ein Mehr an Artikeln vom Normalbürger wäre wünschenswert.

Das ist jedenfalls meine Meinung!
Mit besten Grüßen und guten Wünschen
Manfred Häser

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