Das autonome Frauenhaus Barnim

Im vergangen Jahr 2019 wurden knapp 115.000 Frauen Opfer häuslicher Gewalt. Diese Zahl beschreibt die bekannten Fälle und stellt das Hellfeld. In einer Erhebung der europäischen Grundrechteagentur (FRA) gab jede dritte in Deutschland befragte Frau an, mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt seit ihrem 16. Lebensjahr erlebt zu haben. Das Dunkelfeld ist somit um ein vielfaches größer.* Eine Sozialmanagerin berichtet über Ihre Arbeit im autonomen Frauenhaus Barnim. *Quelle: BMFSFJ

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich sehr, Ihnen meine Arbeit mit diesem Artikel vorstellen zu dürfen.

Seit 2016 bin ich im autonomen Frauenhaus Barnim angestellt. Wo genau sich das Frauenhaus befindet und wie ich heiße, darf ich Ihnen natürlich nicht sagen – zum Schutz der Hilfe suchenden Frauen und Kinder und zu meinem persönlichen Schutz.

Natürlich hatte ich mir vor Beginn meiner Arbeit Gedanken darüber gemacht, wie der Arbeitsalltag ablaufen würde. Die Realität sah jedoch ganz anders aus!

Ich musste nicht nur „den ganz normalen“ Wahnsinn des Büroalltags meistern und Buchhaltung, Antragsstellung und Abrechnung unter einen Hut bringen. Ich musste vor allem mit und für die Schutz suchenden Frauen und Kinder, die im Haus lebten, arbeiten. Und da kam Einiges auf mich zu.
Von jetzt auf gleich war ich Ansprechpartnerin für die Probleme der im Haus lebenden Frauen, half ihnen im Alltag, mit den Kindern, beim Einkaufen und Putzen. Ich begleitete sie zu Terminen beim Jugendamt oder zum Jobcenter, nahm gemeinsam mit ihnen Gespräche bei Anwältinnen wahr oder stellte mit Ihnen Anzeigen bei der Polizei wegen häuslicher Gewalt, schwerer Körperverletzung, Vergewaltigung. Ich wurde sogar schon mal beim Familiengericht als Zeugin vorgeladen und ich war unheimlich aufgeregt deswegen.

Zu der Arbeit mit den Frauen im Haus berate und unterstütze ich Frauen aus dem gesamten Landkreis, die nicht ins Frauenhaus ziehen und lieber ambulant begleitet werden möchten. Auch hier berate und begleite ich die Frauen vollumfänglich. Sie sollen nicht das Gefühl bekommen, nur weil sie nicht im Frauenhaus leben, dass sie zweitrangig beraten werden. Wir besprechen gemeinsam, wann eine erneute Beratung stattfinden soll oder wann ein Begleittermin ansteht.

Telefonberatungen und Hausbesuche für Hilfe suchende Frauen und Angehörige gehören ebenso zum Arbeitsalltag des Frauenhauses wie Beratungen, in Fällen möglicher häuslicher Gewalt, für Institutionen und Einrichtungen. Dazu gehören Kitas, Schulen, Krankenhäuser, das Jugendamt, das Jobcenter und viele mehr.

Und weil nach der Arbeit vor der Arbeit ist, beginnt für mich nach Büroschluss die ehrenamtliche Rufbereitschaft. Das Frauenhaus ist somit rund um die Uhr, das ganze Jahr erreichbar.

Zum Glück muss ich die Arbeit des Frauenhauses nicht alleine bewältigen. Ich habe meine Kollegin als Unterstützung. Sie arbeitet seit mittlerweile 14 Jahren im Frauenhaus. Wir teilen die Arbeit gleichberechtigt untereinander auf und die Rufbereitschaft wechselt wöchentlich zwischen uns.

Eingangs hatte ich bereits erwähnt, dass wir ein autonomes Frauenhaus sind. Wir haben einen  Trägerverein, den „für frauen“ e.V., als Arbeitgeberinnen. Der ehrenamtlich geführte Verein umfasst, mit meiner Kollegin und mir, insgesamt 10 Mitglieder und gibt dem Frauenhaus bei öffentlichen Veranstaltungen ein Gesicht. Ich möchte nicht großartig die Werbetrommel rühren, deshalb sage ich es mit den Worten unserer Vereinsvorsitzenden, Frau Astrid Gohlke: „Neue Vereinsmitglieder und Unterstützung in unserer Arbeit sind uns immer herzlich willkommen.“

Wenn Sie mehr über das Thema „häusliche Gewalt“ wissen möchten, Betroffene sind oder jemanden im Umfeld kennen, der häusliche Gewalt erfährt, melden Sie sich bitte bei uns.

„für frauen“ e.V.
Frauenberatungs- und 
Interventionsstelle in Gewaltsituationen
Tel: 03334 36 02 22
Mobil: 0152 21 08 66 53
Email: frauen@telta.de

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