Frauenpower?

Die Darstellung der Frauen in der Werbung der DDR

Im Jahr 2019 jährt sich der Fall der Mauer, die Deutschland 40 Jahre lang teilte, zum 30igsten Mal. Viele Themen rund um die Wiedervereinigung sind in allen Medien präsent, Veranstaltungen finden überall statt und die Geschichte ist allgegenwärtig. Vieles rund um die Geschichte der DDR ist heute gut erforscht und bekannt. Aber auch im Alltagsleben finden sich viele interessante Aspekte, die Rückschlüsse auf die Gesellschaft erlauben und das Leben in anderen Ebenen beschreiben. 

Ein besonders spannendes Beispiel für diese Alltagsgeschichten ist Werbung. Zielgruppenorientiert, allgegenwärtig und beeinflussend – Werbung ist ein komplexes Netz verschiedenster Akteure. Gerade in der DDR entstand die Werbung in einem Spannungsfeld von Einfluss und Einflussnahme. Ihr Zugrunde lag ein System verantwortlicher, kontrollierender Organe und eine politische Beeinflussung, die sich allgegenwärtig auf die Werbeinhalte niederschlug. 

Welche Rolle spielen Frauen in der wichtigen (Technik-)werbung der DDR? 

Um diese Frage zu beantworten lohnt sich der Blick in die Frauenzeitschrift der DDR -  die „Für Dich“. Zum Vergleich der Blick in eine ähnliche Zeitschrift in Westdeutschland: Die „Für Sie“

Während der Deutsch-Deutschen Teilung herrschte auch eine unterschiedliche Auffassung über die Rolle der Frau in Familie und Erwerbsarbeit in Ost und West. 

Während im Westen das Idealbild die „Hausfrau“ - die sich Vollzeit um Haus, Kinder und Mann kümmert - dominiert, steht dem die Vorstellund des Ostens entgegen. In diesem sollten die Frauen und Mütter genauso wie die Männer erwerbstätig sein. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau war in der DDR schon in der Verfassung festgesetzt. Deswegen ist es nicht überraschend, dass das Verhältnis von Männern und Frauen in den wichtigen Technikwerbeanzeigen in der „Für Dich“ der 1960er und 70er Jahre fast ausgeglichen ist. 53% der dargestellten Personen sind weiblich und 47% männlich. 

In der „Für Sie“ im Westen sind hingegen 70% der abgebildeten Personen weiblich und nur 30% männlich*. 

Auch die Wahl der dargestellten Technik mit weiblichen Akteuren unterscheidet sich stark in Ost und West.

Im Westen ist es die Waschmaschine – ein klassisches Haushaltsgerät, dass der Hausfrau die Arbeit erleichtert. Demgegenüber im Osten sind mit Abstand die meistgezeigten Geräte Kameras. Das Fotografieren wurde in der DDR oft als interessantes Hobby präsentiert. 

Die Verwendung dieser Werbungen in der Frauenzeitschrift zeigt, dass auch Frauen als Zielgruppe von unterhaltender Technik gesehen wurden, anstatt sie als Hauptabnehmer für haushaltserleichternde Technik zu sehen. 

Tatsächlich zeigt sich also in der Technikwerbung der DDR eine Gleichberechtigung von Mann und Frau. Auch der Fokus der Technik liegt gemischt auf Haushalt- und Unterhaltungstechnik. Die klassische Hausfrau findet sich vor allem ab Mitte der 70er Jahre nicht mehr. 

Vielleicht kann sich die Werbung heute ja davon eine Scheibe abschneiden…

*1.005 analysierte Anzeigen in Zeitschriften der „Für dich“ und der „Für Sie“ im Untersuchungszeitraum von 1960-1970