Lateral - Das Querdenker-Magazin

Wie eine Namensgleichheit zu einem Problem wurde

Seit über 20 Jahren tauschen sich die Mitglieder der „QUERDENKER UNITED“ Gemeinschaft untereinander aus und suchen Ideen um spannende Projekte zu verwirklichen oder neuen Ideen zum Erfolg zu verhelfen. Im Gespräch beschreibt Thomas Horsmann, Chefredakteur, mit welchen Herausforderungen die Community seit einiger Zeit konfrontiert ist. 

Heidekrautjournal: Herr Horsmann, Sie sind Chefredakteur von „Lateral – Das Querdenker-Magazin“. Sind Sie Querdenker? 

Aber natürlich, sonst wäre ich bei „Lateral“ am falschen Platz. In letzter Zeit muss ich allerdings regelmäßig hinzufügen, dass ich mit den aggressiven Querulanten und Corona-Leugnern, um Michael Ballweg nichts zu tun habe. Die haben den Begriff „Querdenken“ wohl ausgewählt, um von seiner intellektuellen Ausstrahlung zu partizipieren. Dahinter verbergen sich aber nur Verschwörungstheoretiker, Wissenschaftsfeinde, Reichsbürger und Corona-Leugner. Ballweg, Hildmann, Wendler und wie sie alle heißen, sind keine Querdenker. Das Unternehmen „Querdenker United“, das die echte Querdenker-Community seit über 20 Jahren betreibt und „Lateral“ herausgibt, hat keine Schnittmenge mit solchen Menschen gemeinsam.  

Bei dieser Namensähnlichkeit kommt es bestimmt zu Verwechslungen? 

Leider ja. Sie können sich nicht vorstellen, was wir für E-Mails erhalten. Meistens werden wir beschimpft, weil man uns mit Querdenken711 verwechselt. Aus demselben Grund loben uns manche Absender, bieten Geld und Unterstützung an. Andere haben verstanden, dass wir mit den Ballweg-Leuten nichts zu tun haben, und versuchen uns aber zu überzeugen „echte“ Querdenker zu werden. Auf den Social-Media-Kanälen sieht es ähnlich aus. Auf Xing gibt es deshalb viele Diskussionen. In der Regel sprechen wir die User an, wenn es zu Verwechslungen kommt, und klären sie auf, dann ist das erledigt. Es kommt regelmäßig vor, dass unser Videomaterial und unser altes Logo widerrechtlich auf den querdenken711 nahen Social-Media-Kanälen verwendet werden. Da gehen wir sehr schnell gegen vor. Unangenehm war im vergangenen Jahr, dass uns vielen Medien irrtümlich verlinkt hatten – die mussten wir einzeln ansprechen, um das zu korrigieren. Insgesamt ein großer Aufwand. 

Ist das auch ein Problem, wenn Sie Autoren für Ihr Magazin suchen?

Wir arbeiten viel mit Professoren und Wissenschaftlern zusammen, da muss ich bei der ersten Kontaktaufnahme erklären, was es mit Lateral und Querdenker United auf sich hat. Denen berichte ich, dass wir eine Community mit über 380.000 Followern betreiben, die das größte Innovationsnetzwerk im deutschsprachigen Raum ist. Und dass wir große Probleme mit der Verwechslung haben. Ich bin da ganz offen. Da wird mir viel Verständnis entgegengebracht. Manchmal bekomme ich aber auch einen Korb. Kürzlich hatte eine Expertin Sorge, dass sie falsch eingeordnet werden könnte, wenn sie bei uns veröffentlich. Die Verwechslungsgefahr war ihr zu groß. 

Bei all den Querelen wäre es nicht am einfachsten, den Namen zu ändern? 

Das haben wir tatsächlich intern kontrovers erörtert und auch mit unserer Community diskutiert. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Wir wollen den Begriff „Querdenker“ nicht ein paar unaufgeklärten Menschen überlassen. Wir haben uns dazu entschieden, ihn intellektuell zu verteidigen und darum zu kämpfen, damit die Menschen, die sich in unserer Community zuhause fühlen und aktiv die Werte des Querdenkens hochhalten, dies auch weiterhin tun können. 
 

Gehört zu Ihrer Verteidigung des Begriffs „Querdenker“ auch der Rechtsstreit mit Michael Ballweg? 

Sicher. Wir verwenden den Begriff „Querdenker“ seit vielen Jahren als Marke und haben ihn schützen lassen. Als Ballweg „Querdenken711“ ebenfalls schützen ließ, haben unsere Anwälte dagegen Einspruch eingelegt, ein Rechtstreit ist jetzt anhängig. Inzwischen gibt es eine Gegenklage von Ballweg, der jetzt der Meinung ist, dass der Begriff „Querdenker“ gar nicht geschützt werden kann. Wir sind optimistisch, dass wir den Rechtstreit gewinnen. FAZ, Spiegel NTV und dpa haben darüber ja ausführlich berichtet. Wir hatten auch Kontakt zur Redaktion von Jan Böhmermann, der in seiner Sendung offengelegt hat, dass Ballweg Querdenken711 wirtschaftlich massiv ausbeuten will.   

Sie haben eben von den Werten der Querdenker gesprochen, was ist denn für Sie ein Querdenker? 

Das sind Menschen, die neugierig, offen und kreativ sind, die immer darauf bedacht sind, sich weiterzuentwickeln und zu lernen. Menschen, die konstruktiv und zukunftsorientiert querdenken. Grundlage dieses Querdenkens ist die ethische Haltung, ein gutes Leben zu gestalten, gesellschaftlich zu wirken und die Welt positiv zu beeinflussen. Sie suchen nach Lösungen und schauen dabei über den Tellerrand ihres Fachgebiets. Sie verbinden interdisziplinäre Wissenschaft, Wirtschaft, Philosophie und Praxis. 

Das hört sich sehr positiv an, sehen viele Menschen „Querdenken“ im Moment nicht eher negativ?

Rein sprachlich hat der Begriff „Querdenker“ schon immer positive und negative Seiten. Dem positiv konnotierten kritischen Geist, dem eigenwilligen Kopf, der auch um die Ecke denken kann, stehen Querkopf und Querulant gegenüber, die eindeutig negativ sind. Ursprünglich kommt der Begriff „Querdenken“ aus dem Bereich der Kreativtechniken und heißt nichts anderes als „laterales Denken“. So nannte der britische Kognitionswissenschaftler Edward de Bono gegen Ende der 1960er Jahre nichtlineares Denken. 

Und deshalb haben Sie Ihr Online-Magazin „Lateral“ genannt?

Das ist richtig. Unser altes Print-Magazin, das fast zehn Jahre lang erschienen ist, hieß „Querdenker“. Der neue Name „Lateral“ sollte zeigen, dass wir uns weiterentwickeln, ohne unsere Grundlagen zu vergessen. Lateral erscheint nur online und ist exklusiv für die Mitglieder unserer Community auf unserer neuen Plattform 
www.querdenker.one zu finden. 

Was muss ich mir unter der Querdenker-Community vorstellen?  

Die Querdenker-Community ist ein Netzwerk von Gleichgesinnten, von neugierigen, gebildeten Menschen, von Querdenkern, die sich austauschen wollen, die spannende Diskussionen führen wollen, ohne beleidigt oder attackiert zu werden. Dinge, die in den sozialen Netzwerken nicht mehr möglich sind. Unsere neue Plattform ist ein geschützter Raum, in dem wir auf hohem Niveau mit Respekt voreinander diskutieren, Ideen austauschen, gemeinsam entwickeln und Projekte verwirklichen. Dort führen wir unsere Mitglieder zusammen, die bis jetzt auf verschiedene Plattformen wie Xing, LinkedIn, Facebook sowie den Querdenker-Club und lokale Gruppen verteilt waren. Wir liefern der Community mit unserem Online-Magazin „Lateral“, mit Beiträgen von Wissenschaftlern und Experten, Input und Anregung, um sich weiterzubilden, um neue Ideen zu entwickeln und um sich auf hohem Niveau auszutauschen. Dazu dienen auch unsere Podcasts, Interviews, Diskussionsrunden und gemeinsame Projekte. 

Und wie verhindern Sie, dass auch Querulanten in die Community eindringen? 

Wer sich für unsere Community interessiert, muss eine Einladung anfordern und einige Fragen zum Querdenken beantworten. In diesem Prozess lernen sie unsere Werte kennen. Dann entscheiden wir, ob sie freigeschaltet werden oder nicht. Auf der Anmeldeseite weisen wir zudem mit dem Statement unseres CEO Ansgar Oschwald darauf hin, dass wir mit der Ballweg-Truppe nichts zu tun haben.  ((https://querdenker.one/statement/))

Vielen Dank für das Gespräch.   

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