Wir Pflegende sind keine Helden. Wir machen unseren Job!

Was in Zeiten der Pandemie gefordert wird und was Pflegende wirklich erwarten

Jahrelang wurde mit Skandalberichten in der Presse der Beruf der Pflege diskreditiert. Vor einiger Zeit hieß es in den einschlägigen Medien noch: „Hat diese Pflegerin Patienten gequält? oder „Pflege ist wie Folter!“. 

Und jetzt, in Zeiten der Pandemie hat sich das Bild komplett geändert. Viele Medien und auch die Politik haben sich geradezu mit Lob überschlagen. Es kam zu Aussagen wie: Die wahren Helden sind für mich die Krankenschwestern und Pflegenden. Sie sind es, die unsere Hand halten, wenn wir Angst haben, die uns aufmuntern vor einer Operation und die uns trösten, wenn wir alleine auf einer Station oder zu Hause liegen und uns einsam fühlen. Und sie sind da, wenn nichts mehr hilft. Wenn einer gehen muss.“ 

Wir sollten uns erinnern: Auch vor der Pandemie haben Pflegende in den Heimen, Kliniken und in den ambulanten Pflegediensten schon immer so gearbeitet. Ihre Arbeit war auch vorher hart. Auch vor der Corona-Krise sind Menschen in Heimen und Kliniken gestorben. Manchmal viele in kurzer Zeit. Vor wenigen Jahren in einem Pflegeheim 30 Bewohner innerhalb von drei Monaten, vor 12 Monaten auf einer Palliativstation 17 Patienten in einer Woche.
Nein, die Pflegenden sind keine Helden. Sie sind Menschen wie Sie und ich. Sie tun ihren Job und freuen sich über die ungewohnte Anerkennung. Vergessen wir nicht: Krankenkassen und Pflegeversicherungen haben den staatlichen Auftrag die Pflege der Bevölkerung sicher zu stellen. Aber das können nur Menschen wie unsere Mitarbeiter und deren Berufskollegen.

Kaum ein Gut war begehrter als Schutzausrüstung. Doch nicht nur in Kliniken, auch die ambulante Pflege hatte mit dem Engpass zu kämpfen.

Trotz erschwerter Bedingungen kümmert sich das 27-köpfige Team des AscuVita Pflegedienstes aus Wandlitz seit dem Beginn der Pandemie weiterhin um seine Klienten. Dass das noch klappt, stimmt Yvonne Heinrich glücklich "Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist riesig". Yvonne Heinrich ist Pflegedienstleitung in der Einrichtung und unter anderem zuständig für das Umsetzen der neuen gesetzlichen Vorgaben während der Corona Kriese. 

Gerade am Anfang der Pandemie war es schwierig an Schutzmaterial zu kommen. Die Hoffnung, dass der Bedarf durch die öffentliche Hand gedeckt wird, war bei Yvonne Heinrich nicht sehr groß. Wie Schutzausrüstung verteilt werde, sei der examinierten Altenpflegerin schleierhaft. Sehr geholfen hat uns der Berufsverband BPA dem wir angeschlossen sind, so Yvonne Heinrich. Ebenso haben uns auch die ortsansässigen Apotheken mit selbst hergestelltem Desinfektionsmittel weitergeholfen. Den größten Teil der dringend benötigten Schutzausrüstung habe man aber auf eigene Kosten und im freien Markt bezogen. 

Und wie die Experten befürchtet haben, ist die große Welle der Pandemie erst jetzt im Herbst und Winter voll zum Tragen gekommen. Wie andere ambulanten Pflegedienste will auch sie und ihr Team weiterhin das Beste geben, um den pflegebedürftigen Klienten in Wandlitz helfen zu können. Der Schutz ihrer Kollegen liegt ihr dabei besonders am Herzen. Yvonne Heinrich: "Die Mitarbeiter sind wirklich fantastisch, sie kämpfen jeden Tag an der Front." Zum Glück ist für uns derzeit das Thema Beschaffung von Schutzausrüstung nicht mehr so relevant.

Wir stehen vor einem gewaltigen Mangel an Pflegekräften. 

Je nach Studie werden in Deutschland bis zum Jahr 2030 zwischen 300.000 und 500.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Im gleichen Zeitraum wird die Zahl der Pflegebedürftigen um rund 50 Prozent steigen. Rund 50 Prozent der in Deutschland Pflegenden schätzen das Image ihres Berufes negativ ein. Damit ist dieser Anteil etwa doppelt so hoch wie in anderen westeuropäischen Ländern.

Der Beruf muss attraktiver werden. Zum einen durch angemessene Bezahlung, zum anderen durch eine positive, wertschätzende Wahrnehmung in der gesamten Gesellschaft

Erfreulich ist, dass unsere Mitarbeiter ihr Verhältnis zu den Pflegebedürftigen als besonders positiv einschätzen. Die Anerkennung Ihrer täglichen Leistungen durch die zu Pflegenden und zu Betreuenden und deren Angehörige ist Motivation und Antriebskraft. Und dies war auch schon vor der Pandemie so. 

Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im letzten Jahr seine Osteransprache hielt, es war Woche drei des bundesweiten Lockdowns, stellte er eine vorausschauende Frage. Ob wir uns wohl nach der Corona-Krise noch daran erinnern werden, fragte Steinmeier, was uns unverzichtbare Arbeit, etwa in der Pflege, wirklich wert sein muss?

Info: AscuVita GmbH

Die AscuVita GmbH wurde im Oktober 2015 in der Gemeinde Wandlitz / OT Basdorf gegründet. 2016 wurde der Rehasport-Verein AscuVita-Aktiv e.V. ins Leben gerufen und betreut derzeit ca. 90 Reha-Sportler. 2017 wurde das Unternehmen mit dem Gründerpreis Barnim-Uckermark ausgezeichnet. Im September 2020 wurden die Geschäftsräume von Basdorf nach Wandlitz verlegt. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen 27 Mitarbeiter und versorgt ca. 180 Pflegebedürftige ausschließlich in der Gemeinde Wandlitz.

Verfasser des Beitrages: Stephan Claasen | Gesellschafter |Mitglied der Geschäftsleitung | www.ascuvita.de 

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