15 Jahre Heidekraut Journal

Das erste Heft des Heidekraut Journal erschien in diesem Monat vor genau 15 Jahren zum ersten Mal. Zur Feier des 15-jährigen Bestehens wirft Horst Schumann, der ehemalige Chefredakteur, einen Blick zurück zu den Anfängen. 

Als sich im Jahr 2005 zahlreiche Bürger trafen, um über die Möglichkeit und die Voraussetzung für eine eigene Bürgerzeitung zu beraten, ahnte vermutlich niemand, dass damit der Startschuss für ein erfolgreiches Projekt gegeben war.
Was führte zu der Idee einer eigenen Zeitung? 

Mit der Gemeindegebietsreform und dem mehr oder weniger zwangsweisen Zusammenschluss von neun Orten zu einer großen Gemeinde gab es auch Veränderungen in der Kulturlandschaft. Der neugewählte Bürgermeister verfügte, dass die Zeitschriften in den Orten Basdorf, Wandlitz und Schönwalde nunmehr nicht mehr erscheinen sollten. Lediglich das Wandlitzer Amtsblatt sollte bestehen bleiben, allerdings ohne die Möglichkeiten für die Bürger, hier mittels Leserbriefen, oder was auch sonst, sich zu kommunalen Fragen zu äußern. 

Das wollten aber viele Einwohner nicht hinnehmen. Und so wurde der Beschluss gefasst, eine eigene Zeitschrift heraus zu geben, unabhängig von der Gemeindeverwaltung. Bald war der Name für diese Zeitschrift gefunden: Heidekraut Journal. Das sollte jedoch nicht heißen, dass es hier um Wald, Wiesen und Strickanleitungen gehen sollte. Als verantwortlicher Redakteur wurde der Journalist Klaus Flemming gewonnen, der allerdings einen Nachteil mitbrachte: Er wohnte in Zühlsdorf, war dort sogar Ortsvorsteher. Die Probleme der Gemeinde Wandlitz kannte er nur teilweise. Und so warf er schon bald das Handtuch. Mir als dem neuen Chefredakteur gelang es, ihn aber weiterhin für die Mitarbeit an dem Journal zu gewinnen. Leider verstarb Klaus Flemming bereits 2012.
Das Journal auf den Weg zu bringen, war eine Seite. Es auf diesem Weg zu halten, zu entwickeln und bei den Lesern, also den Bürgern der Gemeinde, Akzeptanz zu erreichen, das war die andere Seite. Darum bemühten sich zahlreiche Mitarbeiter, die Woche für Woche zusammen saßen und über Beiträge, Ideen und Inhalte diskutierten und auch stritten. Dabei ging es um die immer unvermeidlichen Fehler, um die Platzgestaltung, die Bildauswahl, um rechtliche Fragen, die technische Umsetzung und die flächendeckende Verteilung. Einerseits war es ja fast schon ein Lob, wenn sich die Bürger beschwerten, dass sie die Zeitung nicht erhalten hatten. Andererseits war es jedes Mal ein Kampf, die Verteilung zu organisieren.

Von Anfang bemühten wir uns darum, das Journal mit interessanten Inhalten zu füllen und dabei Themen anzusprechen, die man in der Tagespresse nicht unbedingt wiederfand. So haben wir uns z.B. mit der Energiepolitik beschäftigt und uns kritisch mit der einseitigen Hinwendung zu Wind- und Solarenergie auseinandergesetzt. Wenn heute die Bunderegierung den Wasserstoff als neue Energiequelle für sich entdeckt hat – darüber haben wir bereits vor Jahren informiert. Überhaupt haben wir uns ausführlich mit Fragen der Energiegewinnung, -speicherung und ihrer Einsparung befasst. Im Heidekraut Journal erfuhren die Leser interessante Zusammenhänge, lange bevor andere sich damit befassten.

Viel Wert legten wir auch auf die Vorstellung der einzelnen Orte unserer Gemeinde, unsere Nachbarorte, auf Vereine und vor allem auf die Menschen, die hier leben und arbeiten. Da ging es um Personen, die besondere Verdienste erworben haben genauso wie um solche Menschen, die einfach eine gute Arbeit leisteten und damit für das Wohl der Bürger sorgten.

Das HK-J war aber vor allem ein Sprachrohr für die Probleme in unserer Gemeinde. Da ging es um die Frage, ob wir ein Zusammenwachsen der einzelnen Orte wollen oder lieber die Eigenständigkeit betonen sollten. Eine der ersten Aktionen betraf die Schullandschaft, den Erhalt des Gymnasiums und die Verteilung der unterschiedlichen Schulformen. An der heutigen Situation hatte das HK-J einen entscheidenden Anteil, auch wenn das Thema noch längst nicht abgeschlossen ist. Wir setzten uns für einen neuen Jugendclub in Basdorf ein, der dann ja auch gebaut wurde. Wir beteiligten uns auch an der Suche nach einem Standort für einen Jugendclub in Wandlitz. Die immer noch laufenden Diskussionen zu dem Thema sind einfach ärgerlich. Offenbar ist es leichter, gegen etwas zu sein, als selbst kluge Ideen hervorzubringen.
Das Heidekraut Journal setzte sich erfolgreich dafür ein, dass der Liepnitzwald frei von Windrädern blieb, dass der Bau von neuen Windrädern in der Gemeinde nicht ausuferte. Wir traten für eine Baumschutzsatzung ein und beteiligten uns aktiv an der Entwicklung eines Leitbildes für unsere Gemeinde.

Zählt man alle diese Aktivitäten zusammen, dann stellt man schnell fest, dass es sich eben doch lohnt, an der Gestaltung einer lebenswerten Gemeinde aktiv mit zu wirken. Dabei habe ich die Tanzveranstaltungen im Goldenen Löwen, die Fahrt mit der historischen Eisenbahn, verschiedene kulturelle Veranstaltungen z.B. im ehemaligen Artistenmuseum noch gar nicht erwähnt.
Das HK-J war stets ein Sprachrohr des Bürgervereins Wandlitz e.V., der vor ebenfalls 15 Jahren als Herausgeber des Blattes gegründet wurde. Auch wenn der Verein, in dem sich zahlreiche aktive Bürger unserer Gemeinde zusammen fanden, nicht mehr direkt als Herausgeber in Erscheinung tritt, so bestand doch immer ein enger Zusammenhang zwischen beiden.

Wir freuen uns, dass nunmehr Daniel Pfeiffer die Idee einer bürgernahen Zeitschrift für die Gemeinde aufgegriffen hat und das Begonnene weiter fortsetzt. Mit dem Heidekraut Journal hat unsere Gemeinde ein Juwel, um das uns viele andere Gemeinden beneiden dürften. An dieser Stelle soll auch erwähnt werden, dass dieses Projekt in allen Jahren seines Bestehens immer die Unterstützung von vielen Gewerbetreibenden und Unternehmen aus unserer Gemeinde und darüber hinaus hatte. Ohne sie hätte eine solch erfolgreiches Projekt nicht überlebt.

Horst Schumann
Ehemaliger Chefredakteur