Deutschlands erste Seestiftung in Stolzenhagen

Am Anfang Stand der Wille und Mut der Seebesitzerin, Frau Anita Otto, noch zu Lebzeiten ihren See in eine von ihr gegründete gemeinnützige Stiftung, der „Familie Werner und Anita Otto Stiftung“ zu übergeben. Mit der Gründung der Seestiftung hat sie den seit 1831 im Eigentum der Familie Otto befindlichen Stolzenhagener See, einem gemeinnützigen Zweck übergeben. Das ist wohl in Deutschland ein einmaliger Vorgang! Damit hat sie einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl geleistet. Keinesfalls sollte, so ihr Anspruch, der See der Optimierung eines Kapitalertrages, wie zum Beispiel bei anderen Seen geopfert werden. Am 11.Mai 2017 erfolgte durch das Ministerium des Inneren und Kommunales des Landes Brandenburg die staatliche Anerkennung der Stiftung. Eingetragen ist die Stiftung im Stiftungsverzeichnis des Landes Brandenburg unter der Nummer 236. Sie ist damit eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Gleichzeitig damit wurde die Stiftung Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen. Sie wird von einem dreiköpfigen Vorstand vertreten.

Die Stiftung arbeitet zweckbestimmt und auf der Grundlage einer Satzung.  Vorerst ist sie regional tätig und verfolgt nachfolgende Ziele:

- Erhaltung und Schutz des Stolzenhagener Sees mit seiner Uferzone der Fauna und Flora, sowie seiner Wasserqualität.

- Förderung des Naturschutzes,  der Landschaftspflege und der Umwelt.

- Stellt das Gewässer für Technologien zur Wasserreinhaltung und Sanierungsmaßnahmen des Sees zur Verfügung, um so Forschungsvorhaben zu begleiten. Hierbei sollen Pilotprojekte des Gewässerschutzes entwickelt werden.

- Unterstützt umweltpädagogische Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und ist gemeinnützig in verschiedenen Bereichen tätig.

Wenn wir auf drei Jahre Stiftungsarbeit zurückschauen, können wir insgesamt eine erfolgreiche Bilanz ziehen,  die von einem Lernprozess der Stiftung selbst, von Verwaltungsarbeit, vielen Gesprächen und der Umsetzung unserer satzungsmäßigen Zweckbestimmung geprägt waren. Hierbei gab es neben großer Zustimmung, auch Unverständnis, offene Feindschaft und den Versuch einiger weniger Personen die gemeinnützige Seestiftung und ihren Vorstand  zielgerichtet zu diskreditieren. Unbeirrt davon, konnten wir unsere administrative Arbeit in der Stiftung weitestgehend abschließen und mit der laufenden Verwaltung beginnen. Das lässt der Stiftung Raum sich dem eigentlichen Zweck, der Erhaltung und dem Schutz des Stolzenhagener Sees zu widmen.
 
An dieser Stelle möchten wir in einigen wenigen Sätzen versuchen den Sinn einer Stiftung zu erläutern. Der Begriff Stiftung ist gesetzlich nicht definiert. Er dient vielmehr als Bezeichnung für eine Mehrzahl von Rechtsformen, wie beispielsweise der rechtsfähigen Stiftung bürgerlichen Rechts, der Stiftungs-GmbH oder dem Stiftungsverein. Eine Stiftung hat ein bestimmtes Vermögen, dass einem bestimmten Zweck, insbesondere gemeinnützigen Zwecken, auf Dauer gewidmet ist. Eine gemeinnützige Stiftung/Seestiftung legt also das ihr übertragene Vermögen sicher und gewinnbringend an. Die Einnahmen der Seestiftung aus Steg- und Landpachtverträgen werden für gemeinnützige Zwecke, für den Schutz und Erhaltung des Stolzenhagener Sees und für die laufenden Verwaltungskosten eingesetzt. Auch Spenden, Zustiftungen und Drittmittel werden dazu genutzt. In diesem Zusammenhang möchten wir auch, um immer wieder auftretenden Gerüchten entgegenzutreten, die Höhe der Stegpachten und Landpachtverträge öffentlich machen. In der Regel bezahlen die Anlieger und Besitzer von Wochenendgrundstücken für ihren Steg 

”In der Regel bezahlen die Anlieger und Besitzer von Wochenendgrundstücken für ihren Steg 150,00 € pro Jahr und für ein anliegendes Boot 50,00 €, dass sind täglich 55 Cent!”

Mit den vorgenannten Einnahmen finanziert die Seestiftung unter anderem: die ständige Pflege, Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen für den See. Eine ganzjährige Beprobung des Sees zur Feststellung des Gewässerzustandes. Die Erfassung und Zustand der Wasser- und Unterwasservegetation des Gewässers. Das Wiederherstellen und die  Erweiterung der Naturhecke entlang der Seepromenade. Schaffung einer kleinen separaten Badestelle zur Erholung unheilbar krebskranker Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern. Noch in diesem Jahr wird eine digitalisierte Messstation zur permanenten Erfassung  und Kontrolle des Gewässers aufgebaut. Ein Teil unserer Geldmittel fließen permanent in die Rücklage, für besondere Schutzzwecke des Sees. Zum Schutz und Nutzung der Seen unterscheidet der Gesetzgeber im Wasserhaushaltsgesetz der Bundesrepublik und im Brandenburgischen Wassergesetz zwischen Gemeingebrauch, Eigentümer- und Anliegergebrauch.

Wie ist der Stolzenhagener See in die Wandlitz /Brandenburger Seenlandschaft einzuordnen?

Der Stolzenhagener See ist ein sogenanntes isoliertes Gewässer. Er hat eine Größe von 44 ha, ist Landschafts- und Dorfprägend. Er befindet sich in der Mitte des Ortes Stolzenhagen.  Mit seiner fast vollständigen Umbauung und ca. 200 Anliegern, sowie Wochenendgrundstücken gehört er wohl zu den seltenen Seen von dieser Größe und seiner Nutzung. Über den Gemeingebrauch hinaus wird er von zwei gewerblich betriebenen Badestellen mit Gastronomie und touristischen Angeboten genutzt. Eine weitere Bebauung in der Nähe des Sees ist vorgesehen. Der Stolzenhagener See wird aus Niederschlag, Oberflächenwasserabfluss und geringen Grundwasserzufluss gespeist. 

Insbesondere der Klimawandel, fehlende Niederschläge und zunehmende Trockenperioden führen zu ständigen Wassermangel bei unseren Oberflächengewässern. Das wird auch  beim Stolzenhagener See gravierende Auswirkungen haben. Hohe Verdunstungsraten von bis zu 20 % in den kommenden Jahren, fallende Grundwasserspiegel, Wasserpegelstände weit unter Normal, saisonale Übernutzung des Sees, nicht umweltgerechtes Verhalten und das immer noch andauernde mechanische Abpumpen des Seewassers beeinflussen das Ökosystem des Gewässers negativ und kann zu dauerhaften Schäden des Sees und seiner Uferzone führen. Dieser Prozess ist ein schleichender und nicht gleich sichtbarer Vorgang. Nicht erst wenn Blaualgen den See vergiften, tote Fische an der Wasseroberfläche schwimmen und sich der See eintrübt, ist unser Handeln gefragt, dann ist es meist zu spät! Deshalb ist ein besonderer Schwerpunkt unserer Stiftungsphilosophie, vorausschauend die Probleme zu erkennen, diese zu thematisieren, um  dann gemeinsame Lösungen zu finden. Voraussetzung dieser Lösungen war es, sich einen umfassenden Überblick über den ökologischen Zustand des Solzenhagener See’s zu verschaffen. Eine kompetente Analyse war gefragt! Deshalb hat die Seestiftung schon im Jahr 2018 einen Auftrag zur umfassenden Untersuchung des Gewässers an Spezialisten erteilt. Diese Untersuchungen sind mit der Erfassung der Vorkommen aller Wasser- und Unterwasserpflanzen, im Jahr 2020 vorerst abgeschlossen. Die entsprechenden wissenschaftlichen Gutachten werden uns Ende des Jahres vorliegen. Jetzt schon können wir ganz allgemein nachfolgendes mittteilen:

Als Gewässer ohne oberirdischen Zufluss verfügt der Stolzenhagener See nur über ein relativ kleines Einzugsgebiet. Mit dieser wasserwirtschaftlichen Konstellation hat er hervorragende Voraussetzungen für ein Gewässer mit dauerhaft bester Beschaffenheit. 

In Zeiten des Klimawandels sind allerdings auch beim Stolzenhagener See deutlich Veränderungen zu erkennen. Durch inzwischen permanent auftretenden Wasserverlust sinkt der Wasserstand, die Temperatur des Wasserkörpers nimmt zu und die für das Gewässerökosystem so wichtige Uferzone wird übermäßig beansprucht. Um diesen Prozess fachlich zu dokumentieren wurden am Ufer des Sees dauerhafte Messstellen zur online- Erfassung der oberflächennahen Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt und des Wasserstandes eingerichtet. 

Der Wasserkörper selbst wird seit 2 Jahren nach fachlich vorgegebenen Kriterien wissenschaftlich untersucht. Dabei werden sogenannte Tiefenprofile von Wassergüteparametern wie Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert etc. aufgenommen und Nährstoffgehalte im Wasser bestimmt. Im Jahr 2020 wurden zudem spezielle Tauchuntersuchungen durchgeführt, bei denen der Bestand an Unterwasservegetation erfasst und bewertet wurde. Nach einer ersten Vorabbewertung ist festzustellen, dass der Stolzenhagener See in der oberen Lamelle des Wasserkörpers tatsächlich erfreulich gute Zustandsdaten aufweist. Mit der Erhebung von Tiefenprofildaten wurde allerdings ein zurzeit noch schlummerndes Risiko offengelegt. Im Tiefenwasser breiten sich sauerstofflose Zonen aus, es bildet sich fischgiftiger Schwefelwasserstoff und Nährstoffe aus dem Seeboden werden in den Wasserkörper zurückgeführt. 

”Nicht erst wenn Blaualgen den See vergiften, tote Fische an der Wasseroberfläche schwimmen und sich der See eintrübt, ist unser Handeln gefragt, dann ist es meist zu spät! ”

Diese sehr nachteiligen Prozesse zeigen, dass sich die Entwicklung des Stolzenhagener Sees an einem sog. Kipppunkt befindet. Bei Fortsetzung der jetzt festgestellten internen Düngung droht dem See die schleichende Verödung durch einen rasanten Eutrophierungsprozess. Sein heute noch mesotropher Seenstatus droht schon mittelfristig verloren zu gehen. Davon ausgehend werden die notwendigen Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen für den Stolzenhagener See abgeleitet.
Gleichzeitig damit richten wir verstärkt unser Augenmerk darauf, ein Projekt zur Wasserreinhaltung und zur Stabilisierung des ökologischen Zustandes des Stolzenhagener Sees zu entwickeln. 

Für diese Vorhaben braucht es Kooperation mit vielen Akteuren, der Gemeinde Wandlitz, der Kreis- und Landesbehörden, den Umwelt- und Naturschutzverbänden und nicht zuletzt mit den Anliegern des Sees. Hier geht auch um die Erhaltung und Schutz ihres ganz persönlichen Lebens- und Wohnumfeldes, ob sie nun Befürworter oder Kritiker der Stiftung sind. Deshalb sollte es unser gemeinsames Interesse sein, den See als prägendes Naturelement auch für unsere Kinder und Enkel zu erhalten. Wir, als Stiftung haben uns dieser Verantwortung für das Gemeinwohl, gestellt. Deshalb muss jetzt die Erhaltung und der Schutz unserer Wälder und Seen Chefsache werden. Letztlich sitzen wir alle in einem Boot und sollten gemeinsam in die gleiche Richtung rudern!


Vorstand der 
Werner und Anita Otto Stiftung    
Anita Otto, Jürgen Krajewski, Marlis Hahn