Friedhelm Boginski – Der Bürgermeister von Eberswalde kandidiert für die FDP für den Deutschen Bundestag

„Es gibt mehr als nur schwarz oder weiß, mehr als nur recht haben wollen. Wir müssen bereit sein, Brücken zu bauen, bereit sein zum offenen Dialog miteinander, nicht gegeneinander.“ 

Zur Bundestagswahl am 26. September 2021 kandidiert Friedhelm Boginski erstmals für den Deutschen Bundestag. Der 65-jährige Eberswalder Bürgermeister ist seit 15 Jahren Stadtoberhaupt der Barnimer Kreisstadt. Zuvor war er 15 Jahre lang Direktor der Goethe-Realschule in Eberswalde. Aufgewachsen ist er am Rande des Oderbruchs und kam nach seinem Abitur, dem Wehrdienst und dem anschließenden Studium als Lehrer mit seiner Frau nach Eberswalde. Beide haben zwei Töchter und fünf Enkelkinder. Boginski tritt als Direktkandidat im Wahlkreis 57 Uckermark-Barnim I an und steht zusätzlich auf Platz 2 der Landesliste der Brandenburger FDP. Damit hat er gute Chancen in den Bundestag einzuziehen. Wir sprachen mit ihm über seine Motivation und Ziele für eine solche berufliche Veränderung. 

Herr Boginski, warum möchten Sie sich nach über 40 Arbeitsjahren noch einmal beruflich verändern und kandidieren für den Bundestag?

Alter ist eine sehr persönliche Sache und eine Frage der Einstellung. Ich arbeite gern und bin eher der unruhige Typ, stecke mir gern neue Ziele. Im Rathaus gebe ich den vielen jungen MitarbeiterInnen folgendes Zitat mit auf den Weg – Die Jungen rennen schnell, die Alten aber kennen die Abkürzungen. Ich will sagen, der Mix macht‘s.

Welche Ihrer Erfahrungen können Sie in den Deutschen Bundestag einbringen? 

Ich habe jetzt 40 Arbeitsjahre mit und für andere erlebt und gestaltet, davon 30 in leitenden Funktionen. 15 Jahre Schulleiter und 15 Jahre Bürgermeister. Ich glaube zu wissen, was die Menschen bewegt, gerade hier im Nordosten Brandenburgs. Oft spüren wir in der Kommunalpolitik die Abhängigkeit von Bund und Land. Bürokratie, fehlendes Wissen über das wirkliche Leben vor Ort und dementsprechend politische Entscheidungen, welche öfter hemmen, statt zu helfen. Politik muss verständlich sein für die Bürgerinnen und Bürger. Sie muss nah am wirklichen Leben sein. Und dieses Wissen will ich in Berlin einbringen. Für uns als Region will ich werben, bewegen und Einfluss nehmen.

Welche Akzente möchten Sie in der künftigen FDP-Fraktion im Bundestag besonders setzen? 

Mein zentrales Thema ist nach wie vor Bildung. „Der Schulweg muss wieder in die Zukunft führen.“ ist daher auch einer meiner Plakatslogans. Ich halte es mit Gerhart Baum, Freiheit als Grundverständnis aber mit sozialer Verantwortung. Die FDP kann und muss sich noch aktiver für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Bestes Beispiel ist die Bildung. Ich kenne beide Bildungssysteme: DDR und BRD. Ich kenne die Vorteile und Nachteile. Wir müssen in Deutschland vieles verändern in der Bildung. Ein paar Schlagwörter:

- Wir brauchen ein einheitliches Bildungssystem für alle in Deutschland, sodass jedes Kind die gleichen Chancen hat.

- Wir müssen begreifen, dass Bildung Sozialpolitik ist. Je mehr ich am Anfang investiere, je weniger muss ich am Ende „reparieren“.

- Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die kommenden Generationen, die Kinder und Jugendlichen, das Wertvollste sind, was eine Gesellschaft hervorbringt. Also sollten wir ihnen die größte Aufmerksamkeit, die größte Zuwendung zukommen lassen. 

- Es geht nicht nur um Wissen, es geht um soziale Kompetenzen, um Haltung.

- Wir brauchen eine Schule, die die Kinder bestärkt. Und sie fördert und fordert.

- Dazu brauchen die Schulen mehr Freiheit.

Aber es braucht auch die Diskussion darüber, wie gutes Leben gelingen kann. Wie stabilisieren wir unsere Demokratie, wie kann Zukunft für alle Generationen gelingen, sind für mich wichtige Themen.

Wie bewerten Sie den Umgang der Regierung mit der Coronapandemie und was sagen Sie den Menschen, die seit anderthalb Jahren unter den Einschränkungen wirtschaftlich, finanziell oder psychisch zu leiden haben. 

Es ist Land in Sicht! Gebt nicht auf! Ich glaube, vieles ist richtig gemacht worden, einiges nicht. Aber das ist wie in der Medizin, der Pathologe ist der beste Diagnostiker. Es geht darum, gemeinsam neu durchzustarten, sich auf den Weg zu machen. „Nie gab es mehr zu tun.“ ist darum auch unser zentraler Slogan für diese Bundestagswahl. Die Coronapandemie hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, wo in diesem Land Handlungsbedarf besteht. Digitalisierung, Generationengerechtigkeit, einheitliches und verständliches Krisenmanagement für ganz Deutschland. Die größten Verlierer der Coronakrise sind für mich die Kinder und Jugendlichen! Aber auch die Einzelhändler haben unter dieser Pandemie gelitten. Für sie gilt das Gleiche wie für die Kultur und Kunstschaffenden, sie haben keine Lobby im Bund. Das muss sich ändern. Wir brauchen u.a. ein Entfesselungspaket für die deutsche Wirtschaft, den Abbau des Bürokratiedschungels sowie eine Förderung von Forschung und Entwicklung. 

Bei der letzten Bundestagswahl 2017 hatte die AfD nach der CDU das zweithöchste Ergebnis an Stimmen im Wahlkreis 57 erzielt. Schüchtert Sie das ein? Wie gehen Sie damit um?

Im Gegenteil, das war auch ein Grund für meine Kandidatur. Die AFD ist eine rassistische und rechtsextreme Partei. Unsere Aufgabe als Demokraten ist es den Wählerinnen und Wählern klar zu machen, dass Frust und Angst keine Lösungen bringen und keine Wahl beeinflussen sollten. Im Wahlkreis 57 gibt es genügend Wahlangebote für jeden. Die AfD ist eine verschenkte Stimme. Diese Partei ändert nichts, sondern ist sehr gefährlich für unser Land.

Der FDP und insbesondere Herrn Lindner wird immer noch vorgeworfen, 2017 nicht in eine Jamaika-Koalition eingewilligt zu haben. Wird die FDP diesmal bereit sein, in eine Regierung einzutreten, wenn das Wahlergebnis es zulässt?

Auf jeden Fall! Jeder, der kandidiert, sollte auch bereit sein, Verantwortung für unser Land zu übernehmen. Ich würde mich in der FDP eher zum sozialliberalen Flügel rechnen und glaube, dass auch diese Vielfalt in der FDP zeigt, wie breit wir aufgestellt sind und dass es mehrere Optionen für eine Regierungsbildung geben kann. Wir brauchen für Deutschland frischen Wind, wohl wissend, dass nicht nur eine Straße nach Rom führt. Zukunft besteht aus einem Mix von verschiedenen Ansichten, Ideen und Generationen. 

Herr Boginski, vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zu Friedhelm Boginski finden Sie auf Facebook unter: www.facebook.com/friedhelm.boginski und auf seiner Webseite: www.boginski.de. 

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