Sinkende Wasserstände an unseren Seen – Wir müssen und werden gegensteuern

In den zurückliegenden Jahrzehnten sind die Wasserstände unserer Seen stark zurückgegangen. Ursache hierfür sind der sinkende Grundwasserspiegel in Brandenburg, der vor allem dem Temperaturanstieg geschuldet ist. Letzterer ist verbunden mit einer stärkeren Verdunstung, zunehmendem Starkregen sowie abnehmendem Landregen und einer längerer Vegetationszeit. Das Landesumweltamt belegt regionale Rückgänge der Grundwasserstände von mehr als 1,20 m. In den vergangenen Jahren wurden diese Entwicklungen besonders deutlich, in den letzten drei Trockenjahren sind einige Seen und Bäche sogar ganz ausgetrocknet. Ferner leiden noch vorhandene Sölle extrem unter den gesunkenen Grundwasserständen, denn sie haben keine oberflächlichen Zu- und Abflüsse. Als Laichgewässer für viele Amphibien sind sie jedoch sehr wichtig für intakte Naturhaushalte. Während die Pflanzen- und Tierwelt seit vielen Jahren auf die immer stärkeren Veränderungen reagieren muss, trifft es uns Menschen erst relativ spät. Obwohl realistisch betrachtet zu befürchten ist, dass es für „einfache“ Lösungen schon zu spät ist, stellt pessimistische Tatenlosigkeit keine Option dar.

Ursachenbekämpfung und Schadensbegrenzung lauten in der aktuellen Situation die Stichworte unserer politischen Arbeit. Nach der umfangreichen Analyse der Lage haben wir als erstes die wichtigsten Ursachen in den Blick genommen, wobei wir die natürlichen Einflüsse in diesem Fall vernachlässigen können. Berücksichtigt werden müssen dagegen neben dem Bevölkerungszuwachs die Entnahme von Grundwasser durch Landwirtschaft, Industrie und private Haushalte sowie die momentane Praxis der Wasserversorgungswirtschaft. Letztere holt über Brunnen das Trinkwasser aus dem Grundwasser und führt es den Verbrauchern zu. Das über das Abwasser zurückgewonnene, intensiv geklärte Brauchwasser wird jedoch nicht wie früher dem Grundwasser über eine Verrieselung wieder zugeführt, sondern über Flüsse und Kanäle letztlich in die Ostsee abgeleitet. 

Diese Praxis muss hinterfragt werden. Warum werden die geklärten Abwässer nicht lokal eingesetzt? Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass nicht wenige Verordnungen auf Wirtschaftlichkeit und Profit aufbauen. Angesichts der Dringlichkeit des Problems und mit der Unterstützung der Menschen, die hier leben können, sehen wir Chancen, ein Umdenken zu bewirken. Das betrifft insbesondere auch die Kleinkläranlagen, die mit dem Anschlusszwang bekämpft wurden; hauptsächlich dürfte dieser jedoch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten für die Zweckverbände geschaffen worden sein.  

Allein mit der Verrieselung des geklärten Brauchwassers werden sich die aktuellen und zukünftigen Grundwasserprobleme allerdings nicht lösen lassen. Daher begrüßen wir, dass das Brandenburger Umweltministerium aktuell einen Planungsrahmen entwickelt, der auch unter den veränderten klimatischen Bedingungen eine nachhaltige und generationengerechte Entwicklung ermöglichen soll. Nach Umweltminister Axel Vogel (B90/Die Grünen) werden zur Umsetzung des Landesniedrigwasserkonzeptes die verfügbaren Grundwasserressourcen neu bewertet. Anschließend werden die Ergebnisse den Wasserbehörden als Bewirtschaftungsgrundlage zur Verfügung gestellt. Lediglich ein Teil des jährlich neu gebildeten Grundwassers werde zur Nutzung zugelassen; dies betrifft auch die oben genannten Entnahmen für private Haushalte, Industrie und Landwirtschaft. 

Ein weiterer Teil der „Grundwasserneubildungsrate“ werde zukünftig als zusätzliche Sicherheitsreserve (Klimaabschlag) zurückgehalten. Bei der Umsetzung des Leitbildes „Zukunftsfähige Siedlungswasserwirtschaft“ mit Strukturanpassungen bei der Trinkwasserversorgung wird die Landesregierung laut Vogel Gemeinden und kommunale Aufgabenträger auch finanziell unterstützen. Bernau will beispielsweise Förderprogramme zur Stärkung des Wasserrückhaltes in Gewässern und Mooren in Anspruch nehmen, konkrete Projekte sind bereits in der Planungsphase. Das Gegensteuern hat also inzwischen begonnen – bis zu sichtbaren Ergebnissen wird allerdings wohl noch einige Zeit vergehen und ein langer Atem erforderlich sein ….

Kim Stattaus
B90/DIE GRÜNEN Bernau
Stadtverordneter

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