Berlinale-Kino - ICH BIN DEIN MENSCH

Die Berlinale 2021 findet in zwei Phasen statt. Im März gab es Part 1 - das sogenannte "Industry Event" für Presse und Filmindustrie, komplett online - ganz ohne Publikum und Berlin. Im Juni gibt es nun das "Summer Special" als Open Air-Veranstaltung. Die Filme bekommen endlich ihre verdienten Premieren vor Publikum. Unter den Beiträgen des internationalen Wettbewerbs waren auch vier Beiträge aus Deutschland - und für ICH BIN DEIN MENSCH von Maria Schrader gab es am Ende einen der Hauptpreise.

Obwohl Maria Schrader seit 1989 und seither immer wieder als brillante Schauspielerin bekannt ist, hat sie schon in ihren frühen Filmen auch am Drehbuch mitgearbeitet. So z.B. für Dani Levis‘ STILLE NACHT (1996). Bei seinem Film MESCHUGGE (1998) kam zur ihrer Drehbucharbeit auch die Co-Regie. 2007 schließlich schrieb sie das Drehbuch für LIEBESLEBEN und führte zudem selbst Regie. Seitdem gibt es immer wieder von Maria Schrader inszenierte und durchweg bemerkenswerte Filme - z.B. VOR DER MORGENRÖTE (2016) oder die international preisgekrönte Netflix-Miniserie UNORTHODOX (2020). Jetzt also eine neue Regiearbeit der Schrader: ICH BIN DEIN MENSCH.

Ein Science-Fiction-Film - wenn man so will...

Der Film beginnt mit einem Blind Date, auf das er so fließend leicht und elegant zusteuert, dass man von Anbeginn auf den zu erwartenden Charme dieser Geschichte eingestellt ist.
Alma, arbeitet als Wissenschaftlerin am Pergamon-Museum, ist so etwas wie eine Literatur-Archäologin und lebt allein. Sie wird ihrem Date Tom vorgestellt und der begrüßt sie mit einer geradezu peinlichen Floskel: „Du bist eine wunderschöne Frau, Alma. Deine Augen sind wie zwei Bergseen, in denen ich versinken möchte.“ Das reicht der kühl abwägenden Alma - sie wurde nämlich überredet, so etwas wie einen Testlauf mit einem humanoiden Roboter durchzustehen, und hat es jetzt schon satt.

Alma wird übrigens von der großartigen Maren Eggert gespielt, die für ihre Rolle mit dem diesjährigen Berlinale-Darstellerpreis ausgezeichnet wurde. Sie ist seit Jahren, festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater und bekannt aus zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen. 

Ihren „Roboter-Partner“ verkörpert Dan Stevens, der einerseits ein attraktiver Mann ist, aber gleichwohl verblüffend augenfällig diese künstliche Intelligenz verkörpert, die mit den Mind-Files von 17 Millionen Menschen gefüttert wurde und dabei permanent den Datensatz auf die Partnerin einstellt und optimiert. Der britische Schauspieler, unter anderem bekannt aus DIE SCHÖNE UND DAS BIEST (2017), gibt den perfekten Gentleman. Stevens muss diesen Roboter nie mimen - im Gegenteil, später wird er sogar einmal jemanden die Parodie des „braven Roboters“ vorspielen. Eine insgesamt exzellente und hoch amüsante Performance…

Maria Schrader:
„Dan Stevens ist wie Maren Eggert ein Glücksfall für den Film. Wir haben lange im Ausland nach einem Schauspieler gesucht, der so gut Deutsch spricht, dass er nicht an den komplizierten Sätzen von Tom verzweifelt, der so präzise sein kann wie eine Maschine, der gut aussieht und dennoch Selbstironie hat, der ein so guter Schauspieler ist, dass man nie vergisst, dass Tom ein Roboter ist und man sich dennoch in ihn verliebt. Dan ist das gelungen.“

Zurück zum Science-Fiction-Genre. Das Motiv vom künstlichen Menschen ist ja nicht unbedingt neu, seine Wurzeln weisen weit zurück in die Literatur- und Filmgeschichte. Hier geht es um die poetisch verpackte Frage nach dem Mensch-Sein. Und weil die beiden Darsteller eben das auf geradezu anrührende und gleichzeitig komische Weise durchspielen, bleibt man bis zum Ende gespannt, beteiligt und bewegt. So begleitet man also Alma und Tom, diese aufeinander zu-, und wieder auseinanderdriftenden Individuen bei ihrem ungelenken Versuch, mit dem Robotertest irgendwie klarzukommen, bis dann doch so etwas wie Gefühle zu erahnen sind.

Die futuristische Anmutung ist den Filmemachern auf imposante Weise gelungen. Die Geschichte spielt im heutigen Berlin, und das ist durchweg so fotografiert, dass man es als zeitlos zukünftig akzeptiert. „Ich bin dein Mensch“ ist ein richtiger Berlin-Film, der uns Kritikern bei der diesjährigen Online-Berlinale im März geholfen hat, etwas „echtes“ Berlin-Feeling aufkommen zu lassen.

Alma hat übrigens einen ungewöhnlichen Job - sie fahndet in uralten mesopotamischen Keilschrifttafeln nach der Eventualität von Lyrik, nach den Anfängen der Poesie. Und eben das ist es, was den Unterschied zu den unzähligen digitalen Daten des Roboters bestimmt, die den Menschen transparent machen sollen. Weil die Poesie nämlich all diese Fakten in ein Bild fassen kann, ohne es erklären zu müssen. Natürlich geht es in dem Film auch um die ganz naheliegenden, zeitgeistigen Fragen, rund um Partnerschaften und Liebe im digitalen Zeitalter - und natürlich wird ICH BIN DEIN MENSCH sie nicht beantworten, aber er liefert ein Bekenntnis zu echten Gefühlen. Insofern ist Maria Schraders Film keine Science-Fiction-Versuchsanordnung, sondern im besten Sinne eine romantische Komödie.

Seine eigentliche Premiere hat ICH BIN DEIN MENSCH nun also in den Freilicht-Kinos der Publikums-Berlinale im Sommer (9. - 20. Juni) und am 17. Juni hat der Film auch seinen offiziellen Kinostart, deutschlandweit.

Philipp Teubner

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