Aller Anfang ist das Wort

Aller Anfang ist das Wort. Und das Wort steht im Amtsblatt. Für wen ist es geschrieben? Wem soll es nutzen, jetzt oder später?
In unserem Amtsblatt bestaunen wir im amtlichen Teil, Sätze der höherbesoldeten Einsicht, mit vielen Verweisen auf andere Verkündigungen und erfahren, wann und wie oft zuletzt geändert, gestrichen und erweitert wurde. 

Dort lesen wir staunend, dass „… der Antrag auf Rücknahme der Aufhebung der Veränderungssperre, dieses und jenes Flurstückes in dieser und jener Flur, zurückgewiesen wurde“. Holla! Lasst uns den Satz später entschlüsseln. Aber welches Grundstück mag es betreffen? Wir finden ein Bildchen. Wie schön, wenn ein Straßenname erkennbar wäre. Alle Brillen und Lupen helfen uns nicht. Wer soll hier nicht verstehen?
Wir retten uns in den nichtamtlichen Teil. Eine andere Welt, in die wir gerne eintauchen, sind die ersten Sätze der Berichte der Ortsvorsteher. Hier finden wir zuweilen ehrliches Suchen nach einer Maxime, danach, wie gute Entscheidungen getroffen werden können. Manchmal gibt es Hinweise auf Quellen im Netz, z. B. wie es Reportern ergeht, die an Floskeln zweifeln und ehrlich nachfragen. Oder auf Statistiken aus Klinikstationen… Hier wird zum Mitdenken aufgefordert und gezeigt, wie Einigungen durch Gespräche miteinander gelingen können. Eintreten für andere, ein Ehrenamt!
Alles dies soll aus formalem Grund jetzt unterbleiben. Ein Amtsblatt darf nicht presseähnlich sein? Aber wer Nützliches formal verhindert, wird unglaubwürdig, wenn er nicht zugleich eine andere Möglichkeit eröffnet. Mein Vorschlag: Jedem Bericht eines Ortsvorstehers dürfen 200 (?) Worte, deutlich als eigenes Denken gebrandmarkt, vorangestellt werden.

Vielleicht geschieht so etwas bald? Bis dahin mögen sich die Ehrenamtlichen damit behelfen, was Terry Pratchett über seinen Protagonisten Sir Samuel Mumm in einem Scheibenweltroman schrieb:

„Mumm hielt es für besser, die Befehle der Obrigkeit entgegen zu nehmen, sie dann durch ein feines Netz der Vernunft zu filtern und eine großzügige Portion kreativen Missverständnisses beizugeben, vielleicht auch beginnende Taubheit …“

B. Breuer
Wandlitz

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