Den Fiskus an der Aus- und Fortbildung beteiligen

Der Steuertipp im November 2021

Eine solide berufliche Aus- und Fortbildung ist das Fundament für das weitere Berufsleben und dafür in den meisten Fällen leider auch nicht ganz preiswert. Das gilt für ein Studium ebenso wie für eine Berufsausbildung oder Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen in späteren Jahren. Insbesondere bei denen, die ihre Ausbildung bzw. ihr Studium nicht an ihrem Wohnort absolvieren, entstehen neben Kosten für Fachliteratur, Arbeitsmittel und Tutorien hohe Aufwendungen für die auswärtige Unterbringung, Verpflegung und Fahrten zur Ausbildungsstätte. Bei Studierenden kommen oftmals auch noch Studiengebühren hinzu. Da ist es schon hilfreich, wenn man den Fiskus an den Kosten beteiligen kann. Denn Aus- und Fortbildungskosten werden als Sonderausgaben bzw. Werbungskosten steuerlich berücksichtigt. Dabei gibt es allerdings einen Unterschied: Werbungskosten sind in vollem Umfang abziehbar, Sonderausgaben dagegen nicht.

Berufsausbildungskosten sind nur begrenzt abziehbar

Ausbildungskosten sind nur in begrenztem Maße als Sonderausgaben abziehbar. Das ist in zweifacher Hinsicht nachteilig. Abziehbar sind jährlich Aufwendungen in Höhe von maximal 6.000 Euro – und die kommen schnell zusammen. Bei vielen Auszubildenden und Studierenden geht der Sonderausgabenabzug sogar völlig ins Leere. Ausbildungskosten wirken sich nämlich nur dann steuerlich aus, wenn im gleichen Jahr steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden. Aufwendungen, die als Sonderausgaben abziehbar sind, können nicht zu negativen Einkünften führen und auch nicht in spätere Jahre vorgetragen werden. Das bedeutet: All diejenigen, deren Einkünfte nach Abzug der Vorsorgeaufwendungen für Kranken- und Rentenversicherung nicht mehr als 9.744 Euro (steuerlicher Grundfreibetrag 2021 bzw. 9.984 Euro im Jahr 2022) betragen, können ihre Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung bzw. ein Erststudium überhaupt nicht abziehen. Eine Ausnahme gilt nur für die, die ihre (erstmalige) Berufsausbildung oder ihr Erststudium im Rahmen eines Dienstverhältnisses absolvieren, d. h. die Ausbildungsmaßnahme ist bei ihnen Gegenstand des Dienstverhältnisses.

Fort- und Weiterbildungskosten sind unbegrenzt abziehbar

Anders sieht das für Aufwendungen für eine berufliche Fortbildung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder nach einem abgeschlossenen Studium aus. Diese sind keine Ausbildungskosten, sondern Fortbildungskosten. Das gilt gleichermaßen für Weiterbildungen in einem ausgeübten Beruf als auch für ein zweites Studium oder eine zweite Berufsausbildung. Entscheidend ist: Es wurde bereits eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich abgeschlossen und es werden aus der angestrebten Berufstätigkeit Einnahmen erwartet. Keine Rolle spielt es, ob die Erstausbildung einen inhaltlichen Bezug zum nachfolgenden Studium oder zur angestrebten beruflichen Tätigkeit aufweist. Die Aufwendungen für eine Fort- oder Weiterbildung sind als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit bzw. als Betriebsausgaben bei den Einkünften aus Gewerbebetrieb oder selbständiger Arbeit abziehbar. Vorteilhaft dabei ist: Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben können in unbegrenzter Höhe steuerlich abgezogen werden. Falls die Aufwendungen die Einnahmen übersteigen, können die Verluste vorgetragen und in den Folgejahren mit positiven Einkünften verrechnet werden.

Nur beruflich veranlasste Kosten sind abziehbar

Ganz egal um welche Aufwendungen es sich handelt. Es darf nur das abgezogen werden, was beruflich veranlasst und zudem auch angemessen ist. Zu den abziehbaren Aufwendungen gehören die Studiengebühren bzw. Gebühren für die postgraduale Ausbildung oder Fortbildungsseminare, Fahrtkosten, Zulassungs- und Prüfungsgebühren, Kosten für Lernmaterial, Fachliteratur, Druckkosten der Master- und Bachelorthesis sowie Aufwendungen für andere Arbeitsmittel, wie z. B. die Anschaffung eines PC, der für das Studium oder den Beruf genutzt wird. 

Die Kosten für einen PC oder auch für einen Schreibtisch sind bis zu einem Betrag von 800 Euro sofort abziehbar. Bei höheren Anschaffungskosten müssen die Aufwendungen über die Nutzungsdauer verteilt werden. Für Computerhard- und Software lag diese Nutzungsdauer bislang bei 3 Jahren. Neu ist seit diesem Jahr, dass der Fiskus nun für digitale Wirtschaftsgüter die deutlich kürzere Nutzungsdauer von einem Jahr ermöglicht. Das heißt, Aufwendungen für in 2021 angeschaffte Computer können bereits innerhalb dieses Jahres komplett steuerlich abgezogen werden. In 2021 darf auch der Restwert von in den Vorjahren angeschafften Computern, Tablets etc. komplett abgeschrieben und steuerlich geltend gemacht werden. 

Die Kosten für eine auswärtige Unterbringung am Studienort sind steuerlich nur absetzbar, wenn am Wohnort ein eigener Hausstand unterhalten wird (Stichwort: Doppelte Haushaltsführung). Geltend gemacht werden können die Miete für die Zweitwohnung einschließlich der Betriebskosten, aber auch die Zweitwohnungsteuer und die Haushaltsversicherung für die Zweitwohnung. Verpflegungskosten gehören dagegen zu den grundsätzlich nicht abziehbaren Aufwendungen der privaten Lebensführung. Jedoch sind Verpflegungsmehraufwendungen in begrenztem Maße als Pauschale abziehbar. Die Höhe hängt von der Dauer der Dienstreise ab. 

Zudem können die Aufwendungen für eine wöchentliche Fahrt zwischen Wohn- und Ausbildungsort in Höhe von 0,30 Euro je Entfernungskilometer für die ersten 20 Entfernungskilometer sowie 0,35 Euro (in 2021 bis 2023) bzw. 0,38 Euro (in 2024 bis 2026) ab dem 21. Entfernungskilometer abgezogen werden. Dabei spielt es bei Fahrtkosten von insgesamt maximal 4.500 Euro keine Rolle, ob ein öffentliches Verkehrsmittel oder ein eigenes oder zur Nutzung überlassenes Kfz benutzt wird. Falls die Fahrtkosten 4.500 Euro übersteigen, muss nachgewiesen werden, dass ein eigenes oder zur Nutzung überlassenes Kfz benutzt wurde. 

Steuerberater Björn Darge
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