Die BRH Rettungshundestaffel Barnim e.V

Die BRH Rettungshundestaffel Barnim e.V

Es klingelt mitten im Wald. Keine Angst, niemand leidet unter Halluzinationen: Die Glocke gehört zum Rettungshund Lenny. Er ist auf der Suche nach einer vermissten Person. Der dreijährige Riesenschnauzer gehört zum ehrenamtlichen Team der BRH (Bundesverband Rettungshunde) Rettungshundestaffel Barnim e.V. Der gemeinnützige Verein bildet Hunde für die Suche nach vermissten Personen aus.

 „Im Grunde nutzen wir die natürlichen Fähigkeiten von Hunden aus. Die feine Nase, die bis zu 10 000mal besser riechen kann als der Mensch, die Begeisterung beim Stöbern und laufen – alles das braucht auch ein Rettungshund“, erklärt vereinsvorsitzende und Trainerin Jeannette Ullrich.  Einfach gesagt: Der Vierbeiner hat gelernt, dass er nach dem Such-Kommando seine Nase „anschaltet“ und sich den menschlichen Geruch erarbeitet. Hat er diesen in der Nase, verfolgt er ihn so lange, bis er die vermisste Person entdeckt hat. Dann folgt eine sogenannte Anzeige. 

„Die meisten Hunde verbellen, so dass der Hundeführer/in genau wissen, wo ihre Vierbeiner sind“, sagt Jeannette Ullrich. Für das erfolgreiche Auffinden gibt es dann eine Superbelohnung. Alles zusammen bedeutet für die Hunde eine Menge Spaß. Lenny beispielsweise bellt laut und begeistert, bis endlich sein Lieblingsball geflogen kommt. Andere Hunde bekommen Käsestückchen oder Wurst. Anke Hewelt, eine der Trainerinnen der Staffel, lacht, wenn sie an die Belohnungen denkt. „Da gibt es echte Feinschmecker-Hunde, die abgekochtes Hühnchen oder Hundebratwurst wünschen, andere freuen sich über einen durchgekauten ball oder einen zerrupften Futterbeutel und manche sind mit Streicheleinheiten zufrieden. Die Belohnung muss nur hochwertig für den Hund sein“, erklärt sie.

Die Barnimer Staffel wurde im Oktober 2016 gegründet, hat derzeit 31 Mitglieder und 18 Hunde in Ausbildung. Darunter sind Schäferhunde, Labradore, Schweißhunde, ein Dackel, ein Rottweiler, zwei Riesenschnauzer, neben Lenny auch der erst vier Monate alte Usko sowie Mischlinge aller Art. Neun Teams sind bereits geprüft und dürfen in Einsätze gehen. Die Staffel gehört zum Bundesverband Rettungshunde. Das ist einer der größten Rettungshundevereine Europas. Derzeit sind beim BRH 89 Staffel in Deutschland mit über 700 geprüften Hunden registriert. 

Es gibt verschiedene Spezialisierungen der Rettungshundearbeit. 

In der Flächensuche arbeiten die Retter auf vier Pfoten, so wie Lenny, ohne Leine in großen Suchgebieten. Sie stöbern das Gelände nach menschlichem Geruch durch. „Bei guten Windverhältnisse können sie Geruchspartikel bis zu 500 Metern Entfernung aufnehmen und ausarbeiten“, so Jeannette Ullrich. Dazu kommt eine hochgradige Effektivität in der Arbeit. Ein Hund schafft etwa eine Fläche von sieben Fußballfeldern (abhängig vom Wetter und dem Gelände) in einer halben Stunde gründlich abzusuchen. Jüngster in der Ausbildung ist Usko von Hundeführerin Martina Hering. Er lernt gerade, dass Menschen suchen großen Spaß macht und bei Erfolg der Lieblingsball wartet. „Das Bellen als Anzeige üben wir auch schon“, erzählt sie. Jeder Hund trägt ein spezielles Suchgeschirr, ein so genannte Kenndecke. Daran sind eine oder mehrere Glocken und eine starkleuchtende Lampe befestigt. So können die Hundeführer ihren Vierbeiner hören und im Dunkeln auch sehen.

Ein großes Thema sind die Personenspürhunde (Mantrailer). Ein Personenspürhund arbeitet immer an der Leine, führt seinen Menschen quasi zum Ziel. „Diese Hunde nehmen durch einen Geruchsartikel des Vermissten dessen Geruch auf und verfolgen ihn dann. Jeder Mensch verliert ständig Hautschuppen, kleine Härchen und ähnliches. Diese machen dann die individuelle Geruchsspur aus“, beschreibt Mantrailer-Ausbilderin Petra Nentwig-Zimmermann allgemein verständlich diese Form. Das ist besonders im städtischen Bereich sehr wichtig. Die Hunde können dann genau feststellen, welcher Weg genommen wurde. In diese Sparte wird derzeit der kleinste Rettungshund der Barnimer ausgebildet. Kaninchendackel Ivo, 4,5 Kilogramm leicht und vier Jahre alt, und Frauchen Silvia Köthur beweisen, dass der sprichwörtliche Eifer der Dackel sich hervorragend in diesem Bereich macht.

Für den seenreichen Barnim und dessen Umgebung sind in den vergangenen Jahren die Wasserortungshunde sehr gefragt. Diese sind in der Lage, von einem Boot aus aufsteigenden Leichengeruch wahrzunehmen und anzuzeigen. Die Barnimer haben mit dem 13-jähirgen Berner Sennenhund Ado von Petra Nentwig-Zimmermann, die auch Ausbilderin im Bereich Wasserortung ist, einen der erfahrensten Wasserortungshunde.  Mehrere Hunde sind derzeit dabei, in Ados „Pfoten“-stapfen zu treten.

Eine spannende Sparte ist die Trümmersuche. Die feine Nase der Vierbeiner stöbert dabei Verschüttete unter Trümmern beispielsweise bei eingestürzten Gebäuden auf. Wenn sich die Chance ergibt, werden die Hunde auch in diesem Bereich trainiert.

Für alle Bereiche gilt: die Ausbildung dauert im Schnitt bis zu zwei Jahren, mal kürzer, mal länger. „Das ist wie mit Mathematik. Der eine versteht es schneller, der andere braucht etwas länger“, sagt Jeannette Ullrich. Die Hundeführer müssen ebenfalls eine Menge lernen: Einsatztaktik und -abläufe, Karte und Kompass, Funken sowie Erste Hilfe für Mensch und Hund. Rettungshundearbeit ist Teamarbeit, Mensch und Hund wachsen zu einer starken Einheit zusammen. Am Ende steht eine Prüfung zur Einsatzfähigkeit des Teams. 

Einsatzkleidung und Funkgeräte stellt der Verein, Sicherheitsschuhe und viele andere Ausrüstungsgegenstände, wie Kompass, Taschenlampen, Einsatzrücksäcke, finanzieren die Mitglieder selbst.

Zweimal die Woche treffen sich alle zum Training. Dabei geht es in verschiedene Suchgebiete in der Region. „Da lernt mancher den Kreis barnim von einer ganz anderen Seite kennen“, so Jeannette Ullrich. Und noch etwas ist typisch für Rettungshundler: Sie diskutieren über die Robustheit von Outdoorhosen, über die Vorzüge der einen oder anderen Jacke und über das richtige Schuhwerk. Denn: Trainiert wird bei fast jedem Wetter, Ausnahmen sind schwüle Sommerhitze mit Waldbrandwarnstufe fünf oder Frost unter minus zehn Grad. Gerade Herbst und Winter sind schon eine Herausforderung. „Drei Grad, Wind und fieser Dauerregen, da fragt man sich manchmal schon, warum es macht“, beschreibt Hundefürherin Martina Hering so einen Tag. Aber wenn Usko stolz seinen belohungsball trägt, dann ist die Welt in Ordnung.

Ein besonderer Zweig ist die so genannte technische Ortung. 

Die Staffel verfügt über ein Drohnenteam, das durch den Einsatz von Koptern mit Wärmebildkameras die Einsätze unterstützt. Daraus resultiert in diesem Jahr ein völlig neuer Bereich: die Rehkitzrettung. Drohnenpilot Thomas Drogosch hatte sich damit beschäftigt und festgestellt, dass das eine gute Sache sei. „Wir haben Kontakt zu Landwirten aufgenommen und angeboten, bevor sie in die Mahd ihrer Grünflächen gehen, diese abzufliegen und die Kitze vor dem Mähtod zu bewahren“, so Drogosch. Ein großes Team freiwilliger Helfer sowie Mitglieder der Staffel waren insgesamt 21-mal in der Nacht innerhalb von dreieinhalb Wochen im Einsatz und sammelten insgesamt 63 Kitze von den Äckern. Allen bereiteten diese Einsätze große Freude, was auch an den großen dunklen Kulleraugen der Kitze liegt. „Dass diese Sache so gut ankommt, hätten wir nicht gedacht. Das macht aber Mut für die  nächste Kitz-Saison.“

Coronabedingt sind in den vergangenen Monaten neben Trainingsausfall auch andere Dinge fast eingeschlafen. „Unsere Öffentlichkeitsarbeit gab es nicht“, bedauert Jeannette Ullrich. Dazu gehören Schulprojekte, bei denen Kinder der Umgang mit Hunde und die Arbeit der Rettungshunde nähergebracht wird, sowie Vorführungen und Präsentationsstände auf diversen Veranstaltungen. Auch die Durchführung von Erste-Hilfe-Kursen für betriebliche Ersthelfer, eine wichtige Einnahmequelle des Vereins, lag auf Eis. Doch jetzt können die beiden Ausbilderinnen wieder anfangen. 

Die Schulprojekte liegen dem Verein sehr am Herzen. Für die Klassen zwei bis fünf bietet das Projekt zwei Stunden „Hund live“ an. Wie nähere ich mich einem Hund richtig? Warum darf ich nicht am Schwanz ziehen? Wie verhalte ich mich, wenn ein freilaufender Vierbeiner auf mich zugerannt kommt? Dabei gibt es viele Praxisübungen mit den erfahrenen Hunden. Anschließend wird die Arbeit einer Rettungshundestaffel erklärt. Höhepunkt ist dann die Suche. Kinder dürfen sich in Begleitung verstecken und werden dann ganz professionell von den Vierbeinergefunden. Übrigens, eine gute Gelegenheit für in „Rente“ befindliche Hunde, ihr Können zu zeigen. Aus gesundheitlichen oder auch Altersgründen gehen einige nicht mehr in den Einsatz. Sie machen aber dennoch beim Training mit, so lange es geht. „Die Senioren verlernen es nicht, auch nach krankheitsbedingten langen Pause dauert es nicht lange, und sie haben es sofort wieder drauf und sind ganz begierig auf Training“, weiß Angelika Kaiser, deren altdeutscher Schäferhund Cliff nach langer Krankheit bereits nach vier Wochen Training die Einsatzüberprüfung mit Bravour bestand.  

Unterstützung für die Staffel: 
BRH Rettungshundestaffel Barnim e.V:
Kontonummer: 
DE40170520000940046725, BIC: WELADED1GZE

„Wir die Rehkitzretter“ - oder...
„Wie wir zu unserem kleinen Waisenkind 
kamen...“

Am Abend des 10. Juni 2021 wurde unser Team der Rehkitzrettung der Rettungshundestaffel Barnim e.V. zwischen zwei Einsätzen zu einem
Notfall gerufen. Ein kleines Rehkitz irrte bei Weesow in Brandenburg völlig müde und am Ende seiner Kräfte über die Felder. Der besorgte Landwirt dort alarmierte uns. Binnen 30 Minuten waren wir mit 16 Helfern direkt vor Ort. Nach ca. 40 Minuten war unsere Technik in der Luft...
Wir wollten es unbedingt retten...

Nach langem Suchen mit Drohne samtWärmebildkamera konnten wir das Kleine unweit eines Wolfsrudels ausmachen. Nach tel. Bestätigung der Wölfe (ein Wolf und zwei Fähen) durch den Landwirt war Eigenschutz jetzt natürlich oberstes Gebot. Aber unsere Helfer waren sich einig, wir wollten das Kitz unbedingt retten...

Nach kurzen Einkreisen von 3 Seiten war es geschafft... Was für ein Glück für uns alle... Noch am selben Abend fuhren wir das Tier zu einer professionellen Aufzuchtsstation. Wir tauften unser Patenkind auf den Namen "Keena". (die Tapfere) Die
Arbeit der privaten Ehrenamtler der Aufzuchtsstation (ein Full-Time-Job rund um die Uhr) können wir nicht bezahlen - aber wir möchten hier von ganzem Herzen "DANKE" sagen und zumindest für die entstehenden Futterkosten sammeln. Nun viel Glück kleine Keena auf deinem Weg ins Leben...wünschen die deine Rehkitzretter von der Rettungshundestaffel
Barnim e.V.

„Wir die Rehkitzretter“ - 
unsere erste Saison 2021...

Ja, ein wenig „verrückt“ muss manwohl schon sein... da sind wir uns alle einig. Wir, das sind fast 50 Helfer unseres Teams „Rehkitzrettung“.

In diesem Frühjahr erlebten wir nun gemeinsam unsere erste „Rehkitz-Rettungssaison“. In insgesamt 21 Nachteinsätzen, verteilt auf dreieinhalb Wochen konnten wir insgesamt 63 Rehkitze
vor dem sicheren Mähtod retten. Momente der Anstrengung, Spannung, totalen Erschöpfung... aber auch des totalen Glückes und einer unendlich tiefen Zufriedenheit begleiteten uns in diesen Wochen – Nacht für Nacht...

Und was wir sehr schnell bemerkten; Das
Problem ist riesengroß... und leider können wir
nicht überall sein. Unser Glück... sind die Kitze, welche wir in diesem Frühjahr gemeinsam retten konnten...Unsere Trauer und Gedanken... sind bei denKitzen, die in dieser Saison „keinen Schutzengel“ hatten...
Ja, wir machen weiter, weiter und weiter... Wir retten weiter unermüdlich kleine Rehkitze vor dem fürchterlich qualvollen Tod im Mähwerk, aber... wir wollen nun auch, gerade nach den Erfahrungen unserer ersten Saison 2021, „wachrütteln“. 

Dieses Massensterben muss –SOFORT- beendet werden und gehört daher unbedingt in das gesellschaftliche Bewußtsein.

Unser gesamtes Team bedankt sich, auch im Namen der Kitze, für die großzügige Unterstützung bei der Erreichung dieses Zieles bei der
EDEKA Filiale Bernau.

*Alle Bilder: BRH Rettungshundestaffel Barnim e.V:

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