Die teuersten Erdbeeren der Welt

Nein es geht nicht gegen Karls Erdbeerhof. Die Erdbeeren schmecken großartig und sind ihr Geld wert. Aber neulich erzählte mir ein Freund, er habe für ein Pfund 35 € bezahlt. 5 € für das Obst und 30 Euro für das Parkstrafticket. Selber schuld, denke ich. Aber dann erwischt es mich. 

Ich komme knappe vier Minuten zu spät zum Auto. Mein Parkticket lief um 11.56 Uhr ab, um 12 klebt ein eifriger Mann den gelben Zettel schon daneben. Der Kontrolleur war noch vor Ort. Ich setzte meinen ganzen Charme von wegen Kulanz ein. Leider kann er das nun nicht mehr ändern, aber ich könne mich an Park & Control, die Firma, die für die Parkraumbewirtschaftung kassiert, wenden und um Nachsicht bitten. Habe ich gleich gemacht. 30 € für vier Minuten erscheinen mir dann doch recht üppig. Zumal die Ordnungsstrafen für ticketloses Parken in solchen Fällen gerade mal die Hälfte der Summe vorsehen. 

Aber es ist legal, und Firmen verdienen damit gutes Geld, den Geschäftsinhabern die Langzeitparker aus dem Weg zu räumen. „Einfach & sicher“, wie Park& Control seine Aktivität bewirbt. Allerdings ist es nicht so einfach, mit Park&Control zu kommunizieren. Ich fülle auf der entsprechenden Seite alles aus, was verlangt wird, schreibe in das vorgesehene Kästchen mein Anliegen. Drücke auf den Button. Nichts passiert. Ein Mal, drei Mal, acht Mal. Dann rufe ich an. Erreiche auch einen freundlichen Mann, der meine Situation versteht. Das komme öfter vor, dass die Schaltfläche nicht funktioniert. Ich solle das Ganze per mail schicken. Mache ich und bekomme gleich eine Antwort. Angekommen, wird geprüft. Und der entscheidende Satz: „Bitte beachten Sie, dass bis zum Zeitpunkt unserer Antwort, keine weiteren Maßnahmen zur Durchsetzung der Forderung ergriffen werden.“ 
Dann passiert wochenlang nichts mehr. Keine Antwort, keine Entscheidung. Na gut, denke ich, es gibt ja eine klare Ansage. Dann bekomme ich einen rüden Brief und meine „Vertragsstrafe“ erhöht sich mit Mahngebühren auf 39,35 Euro, zahlbar innerhalb von 10 Tagen sonst Inkasso und weitere Kosten. Ich rufe wieder an und widerspreche mindestens den Mahngebühren und der Tatsache, dass meine Kulanzbitte ignoriert wurde. Ich soll auf dem vorgesehenen Internetportal noch mal mein Anliegen und meinen Widerspruch eintragen, weil ich mich ja per mail geäußert habe. Mache ich, wieder reagiert der Button zum Abschicken nicht. Rufe an, der nette Mitarbeiter im P&C Service ist auch ratlos, aber das mit dem Button passiert eben öfter. Nun soll ich stattdessen wieder eine Mail schicken. 

Mache ich gern, aber ich gebe den ärgerlichen Vorgang gleich an einen Anwalt weiter, weil ich ja in Zahlungsverzug gesetzt wurde. Für den ist der juristische Streitwert natürlich „pillepalle“, aber die rüden Methoden von P&C sind ihm nicht neu. Neulich erzählt mir jemand, dass die Kontrolleure schon lauern und den gelben Zettel kleben, wenn man gerade auf dem Weg zum Ticketportal ist. Also Parkscheibe rein, und dann Ticket holen. Dann Scheibe wieder raus, sonst irritiert das den Kontrolleur womöglich, und im Zweifelsfall gibt’s einen gelben Zettel. 

Fazit: Parkraumbewirtschaftung ist ok, aber müssen das Unternehmen sein, die dadurch, dass sie schwer erreichbar sind und auf Kulanzbitten nicht reagieren, noch zusätzlich abzocken wollen? Steckt vielleicht  Plan dahinter, die ohnehin schon immensen Strafgebühren durch falsche Infos, Untätigkeit und darauf folgende Mahnkosten noch in die Höhe zu treiben, überlege ich wütend? Gibt es keine kundenfreundlichen Kontrolleure, die mit dem Parkgeschäft Geschäfte machen dürfen? Kann ja sein, Park & Control  verprellt „einfach & sicher“ Stammkunden, die dann lieber woanders zum Friseur oder einkaufen gehen, wo noch keine gelben Zettel verteilt werden. Nach meiner Anwaltsdrohung meldet sich P&C umgehend. Von der 30 € Forderung für 4 Minuten Verspätung rückt die Firma ab, aber die Mahnkosten werden zurück genommen. 

Gabriele Conrad

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