Stolpersteinlegung Karl Schweitzer

Eine bewegende Begegnung

Es brauchte schon Mut und eine feste Überzeugung, um im faschistischen Deutschland den Krieg zu verurteilen. Es gab nicht viele Menschen, die diesen Mut aufbrachten. Einer von ihnen war Karl Schweitzer aus unserer Gemeinde. Er wohnte in Schönwalde und war hier als Gemeindevertreter für die KPD aktiv. In Folge einer Denunziation wurde er verhaftet und von den Richtern zum Tode verurteilt. Karl Schweitzer hatte sich 1941 in einer Gaststätte gegen den Krieg geäußert. Das wurde als „Wehrkraftzersetzung“ bewertet. Seine Hinrichtung erfolgte gnadenlos in Plötzensee am 18. Juli 1942.

Karl Schweitzer war ein einfacher Mann, der seinen politischen Überzeugungen auch in der Zeit der Nazidiktatur treu blieb. Dazu brauchte er keine Weisungen und keine Anerkennung. Er handelte so, wie er es als Kommunist immer getan hatte. 

In der DDR wurde die Straße, in der er mit seiner Familie wohnte, nach ihm benannt. Auch die Oberschule in Basdorf trug bis zur Wende seinen Namen. Regelmäßig legten die Kinder an seinem Haus Blumen nieder und ehrten so den aufrechten Bürger.

Durch Zufall stießen die Mitglieder des Bürgervereins Wandlitz e.V. auf Karl Schweitzer. Auf ihre Initiative hin wurde neben anderen verdienstvollen Bürgern für Karl Schweitzer und seine Frau auf dem Wandlitzer Friedhof ein Ehrengrab angelegt. In der Folgezeit wurde gemeinsam mit der Fraktion DIE LINKE/BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN/UWG der Antrag in der Gemeindevertretung von Wandlitz eingebracht, für Karl Schweitzer vor dem Haus, das er früher bewohnte, einen Stolperstein zu verlegen. Der Antrag wurde durch die Gemeindevertretung angenommen.

Mit der Unterstützung der Kulturamtsleiterin Frau Dr. Schmidt-Rathjen, dem Bauhof und den heutigen Bewohnern des Hauses Familie Rauner wurde durch den international anerkannten Künstler Gunter Demnig am 26. August 2021 in feierlichem Rahmen der Stolperstein verlegt. Zahlreiche Bürger unserer Gemeinde, Mitglieder des Bürgervereins Wandlitz e.V., Anwohner und Vertreter der Fraktion nahmen daran teil. Bürgermeister Oliver Borchardt fand Worte des Gedenkens und verwies auf die Notwendigkeit, auch heute aktiv für die Erhaltung des Friedens in der Welt einzutreten.

In Vorbereitung der Veranstaltung konnten wir mehrere Nachfahren von Karl Schweitzer ausfindig machen. Einige von ihnen waren ebenfalls am Ort der Verlegung des Stolpersteins erschienen. Die Urenkelinnen Nannette Bily und Kathrin Siebert sowie die Ururenkelin und weitere Nachkommen von Karl Schweitzer hatten seit Jahrzehnten keinen Kontakt zueinander. Die Freude über das jetzt erfolgte Wiedersehen war ihnen deutlich anzusehen. Wir vereinbarten, die nunmehr entstandene Verbindung nicht wieder abreißen zu lassen und in Verbindung zu bleiben. So wollen wir das Andenken an Karl Schweitzer und alle Widerstandskämpfer gegen den Faschismus bewahren.

Horst Schumann
Bürgerverein Wandlitz e.V.

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