Zehn Jahre „Hände weg vom Liepnitzwald“

- viel erreicht und doch wieder alles auf Anfang

Zehn Jahre „Hände weg vom Liepnitzwald“ - viel erreicht und doch wieder alles auf Anfang

Am Abend des 21.10.2011 versammelten sich etwa 60 Waldfreunde aus Berlin und Barnim, um sich als Bürgerinitiative zu formieren. Im Sommer 2011 waren Pläne bekannt geworden, wonach im Liepnitzwald mehr als 500 Hektar Fläche für den Bau von Windkraftanlagen freigegeben werden sollten.

Die Bürgerinitiative gab sich den Namen „Hände weg vom Liepnitzwald“. Es wurden Sprecher gewählt, aber insgesamt blieb das Engagement zum kompromisslosen, vollständigen Erhalt des Waldes seitdem ein „loser Haufen“.

In den vergangen zehn Jahren gab es bis auf 2021 immer eine Neujahrswanderung zum geplanten Windeignungsgebiet. Hier kamen zum Teil über 400 Teilnehmer, wanderten durch den Wald, und ließen sich vom Förster zu den Eigenarten des Waldes und vom BI-Sprecher zum Stand der Dinge in Sachen Windeignungsgebiet informieren.

Das Hauptziel war immer dasselbe: „Keine Windräder im Liepnitzwald“. „Es macht einfach keinen Sinn, den CO2-Speicher Wald abzuholzen, um Windräder aufzustellen, die CO2-neutralen Strom erzeugen sollen,“ so die Kernaussage der BI. „Zumal sie das nach wie vor nicht rund um die Uhr tun. Die Windräder drehen sich eben nur wenn Wind weht. Weht zuviel Wind, werden sie abgeschaltet. Die Speichermöglichkeiten sind noch immer unzureichend,“ erklärt Hans-Jürgen Klemm, Sprecher der BI seit Jahren. „Eine kontinuierliche Stromerzeugung ist so nicht gewährleistet und wird sich auch durch weitere Windräder nicht ergeben. Denn nur weil es mehr sind, weht der Wind nicht kontinuierlicher.“
Diese und andere Kritikpunkte trugen die Mitglieder der Bürgerinitiative in den letzten 10 Jahren an allen möglichen Stellen vor. Neben dem für die konkrete Planung zuständigen Regionalplanungsausschuss Uckermark-Barnim, nahm die Wandlitzer BI auch Kontakt auf zu zahllosen Politiker auf Kommunal-, Kreis-, Landes- und Bundesebene, ebenso zu Naturschutzverbänden und zu den Windradherstellern.

Es gab regelmäßige monatliche Treffen der BI, bei denen Informationen und Ideen gesammelt und Aktionen organisiert wurden. Neben den Neujahrswanderungen gab es beispielsweise auch eine Baumzählaktion im geplanten Windeignungsgebiet „Wandlitz“. Mit den Ergebnissen konnte den Entscheidungsträgern auf Kreisebene belegt werden, dass es im Liepnitzwald eben nicht nur den auf 90er-Jahre-Luftbildern erkennbaren „minderwertigen“ Stangenwald aus Kiefern gibt, sondern dass sich der Wald – auch auf Betreiben der Forst – seit Jahrzehnten im Umbau befindet, und überall auch Buchen, Eichen, Douglasien, etc. wachsen. Aktionen wie diese und eben die zahlreichen schriftlichen Einwendungen zu den Plänen führten nicht nur dazu, dass die BI wahr- und ernstgenommen wurde; vielmehr wurde eine breite Öffentlichkeit aufmerksam. Nach den lokalen Medien berichteten auch deutschlandweit Zeitungen und TV-Sender über das umstrittene Thema „Windkraft im Wald“. Journalistenteams kamen zu Interviews nach Wandlitz; selbst in Finnland und Japan wurde über die Bürgerinitiative „Hände weg vom Liepnitzwald“ berichtet.

Der öffentliche Druck durch Kooperation und Zusammenschluss der Wandlitzer Bürgerinitiative mit aktuell mehr als 100 Brandenburger und bundesweit  über 900 windkraftkritischen BI‘s hat die umweltrelevanten und technischen Schwächen sowie ökonomischen Grenzen der deutschen Energiewende  bekannt gemacht und in die Parlamente getragen.

Mittlerweile werden auch kritische Stimmen ernst genommen. Die Wandlitzer Bürgerinitative war bei Ausschusssitzungen der Regionalplanungsstelle in Angermünde oder bei Regionalversammlungen in Eberswalde lange Zeit nur aufmerksamer Zuhörer und Fragensteller im Publikum. Schließlich war sie dann beratendes Mitglied im Planungsausschuss und konnte Kritik auch während der Sitzungen anbringen. Im Gespräch mit Politkern und Umweltverbänden kam es zu einem breiten Informationsaustausch. Nicht wenige der Umweltschützer sind mittlerweile politisch in den Gremien ihrer Gemeinden, Landkreise und darüber hinaus aktiv.

Letztlich wurde die ausgewiesene Fläche im Liepnitzwald fast halbiert. Ein großer Erfolg für die vielen Menschen, denen es so gar nicht logisch erschien, Wald abzuholzen, um stattdessen Windräder aufzustellen.

Da der Regionalplan nun erneut aufgestellt werden muss, stehen alle Zeichen wieder auf Anfang. Ein Grund mehr für die Mitglieder der Wandlitzer Bürgerinitiative, wachsam zu bleiben. Im Liepnitzwald könnten somit nach wie vor große Flächen zum Windeignungsgebiet erklärt werden. Zwar waren die Berliner Forstbetriebe, die große Teile des Liepnitzwalds bewirtschaften, komplett gegen eine Aufstellung von Windkraftanlagen im Liepnitzwald. Sofern sich der politische Wille in Berlin also nicht ändert, würden Bauinteressenten hier auf taube Ohren stoßen.

Es gilt aber am Ball zu bleiben. Das Ziel der BI ist nach wie vor, dass Waldflächen komplett aus den Planungen herausgenommen werden. Zusammen mit zahllosen anderen Initiativen in Brandenburg und ganz Deutschland wird sich die Arbeit der Bürgerinitiative „Hände weg vom Liepnitzwald“ also noch ein Weilchen fortsetzen. Am 7.10. tagt dazu wieder der Regioanlausschuss in Templin. Interessierte können sich dort informieren.

Und nachdem die diesjährige Neujahrswanderung im Jubiläumsjahr der Bürgerinitiative aufgrund der Coronaeinschränkungen ausfallen musste, wird es  im Januar 2022 hoffentlich wieder eine Neujahrswanderung geben.

Angela Kowalick

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