Information der Gemeindeverwaltung Wandlitz zu Vorkommnissen während der Jugendfahrt der Freiwilligen Feuerwehr Wandlitz im Juni/Juli 2021

Seit dem 15. Juli 2021 beschäftigt sich die Wandlitzer Verwaltung, insbesondere Bürgermeister Oliver Borchert, Hauptamtsleiter Sascha Braun und Ordnungsamtsleiterin Ilka Paulikat, intensiv mit Vorkommnissen, die sich während einer Jugendfahrt der Freiwilligen Feuerwehr in Dänemark ereignet haben. 

In der Zeit vom 26. Juni bis 3. Juli 2021 hatte diese Fahrt mit insgesamt 18 Jungen und Mädchen aus den Wandlitzer Jugendfeuerwehren, drei Betreuern und zwei Betreuerinnen stattgefunden. Ein anonymes Schreiben, das am 14. Juli 2021 im Rathaus einging, lieferte aus Sicht der Verwaltung hinreichend konkrete Hinweise für mögliche Belästigungen und Grenzüberschreitungen gegenüber einzelnen Teilnehmerinnen. Bereits am 16. Juli 2021 nahm die Verwaltung Kontakt zur Kinderschutzstelle des Landkreises auf, um das weitere Vorgehen zu beraten. Gemeinsam wurde mit den pädagogischen Fachleuten entschieden, dass die Verwaltung Wandlitz als Veranstalterin der Fahrt den Sachverhalt klären muss, um etwaige Hilfebedarfe festzustellen und gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft auf der Basis konkreter Sachverhaltsfeststellungen einzuschalten.

Seit dem 16. Juli 2021 sind zahlreiche Gespräche geführt worden, und zwar zunächst mit drei der fünf verantwortlichen Betreuerinnen und Betreuern und dann mit Teilnehmerinnen der Reise. Dabei traten Begebenheiten und Sachverhalte zutage, die erschütterten und deutlich machten, dass es vollkommen richtig war, sofort mit Ermittlungen zu beginnen. Nach rund einer Woche hat sich dann Bürgermeister Borchert entschieden, die Eltern der Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmer sowie die Ortswehrführer über den Stand der Erkenntnisse zu informieren. Dies geschah auch vor dem Hintergrund, dass zu diesem Zeitpunkt klar war, dass Medien über den Fall berichten werden. Der Bürgermeister wollte jedoch keinesfalls eine Situation eintreten lassen, durch die Eltern und Teilnehmer von den Vorgängen rund um die Reise erst aus der Zeitung erfahren.

Als erste Maßnahme und als kurzer Weg ist eine neue Email-Adresse kinderschutz@wandlitz.de eingerichtet worden, wohin sich Kinder, Jugendliche und Eltern mit ihren Sorgen und Fragen wenden können, wenn sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die Mails werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Zwar liegt die fachliche Zuständigkeit für Fälle von möglicher Kindeswohlgefährdung oder im Bereich Kinderschutz beim Jugendamt des Landkreises, aber die Verwaltung möchte trotzdem eine niederschwellige Kontaktaufnahme ermöglichen.

Die Klärung strafrechtlicher Fragen oder möglicher strafrechtlicher Konsequenzen aus der Dänemark-Fahrt der Jugendfeuerwehr  gehört nicht zu den Aufgaben einer Kommunalverwaltung. Deswegen wurde eine von der Verwaltung auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen erarbeitete umfassende Sachverhaltsdarstellung am 28. Juli 2021 an die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder mit der Bitte um strafrechtliche Prüfung weitergeleitetet.  Die Staatsanwaltschaft wird den Anfangsverdacht prüfen und dann entscheiden, ob sie Ermittlungen aufnehmen wird. Das Ergebnis dieser Prüfung hat zwar Gewicht, es ist aber nicht entscheidend für die Frage, welche Konsequenzen aus den Vorkommnissen zu ziehen sind.

Am 28. Juli 2021 wurde seitens des Bürgermeisters gegenüber der Gemeindewehrführerin aufgrund der Schwere der Vorwürfe bis auf weiteres ein Verbot der Dienstausübung ausgesprochen. 

Für die Wandlitzer Verwaltung standen und stehen bei den Überprüfungen der letzten Wochen und den ergriffenen Maßnahmen folgende Maximen im Vordergrund: Erstens: Der Schutz unserer Kinder und Jugendlichen vor Übergriffen und Grenzüberschreitungen muss oberste Priorität haben. Zweitens: Wir werden Möglichkeiten schaffen, mit denen wir den Zugang zu Hilfsangeboten für betroffene Kinder, Jugendliche und Eltern noch mehr erleichtern. Zum Beispiel sollen in Kürze auf der Internetseite der Gemeinde auch noch einmal alle für Kinderschutzfragen relevanten Adressen und Kontakte aufgelistet werden. Und Drittens: Wir müssen intensiv daran arbeiten, um Betreuerinnen und Betreuer von Jugendreisen im richtigen Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen zu schulen, um in Zukunft ähnliche Vorkommnisse zu vermeiden. Die Juleica-Ausbildung ist dabei ein wichtiger Baustein. Darüber hinaus müssen wir aber auch Konzepte erarbeiten, wie z.B. feuerwehrspezifische Ausbildungsinhalte jugendgerecht vermittelt werden können.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung nehmen aus aktuellem Anlass den Kinder- und Jugendschutz in der Freiwilligen Feuerwehr in den Fokus. Ein erster Erfolg ist erzielt, denn jüngst verabredeten die Jugendwartinnen und Jugendwarte der Feuerwehr einen intensiven Arbeitsprozess, der von den Spezialisten der Feuerwehrunfallkasse Brandenburg unterstützt wird. 
Die Klärung der Vorwürfe im Zusammenhang mit der Dänemark-Fahrt wird auch den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr helfen, die jeden Tag erstklassige Arbeit leisten. Gedankt sei allen, die den schwierigen Aufarbeitungsprozess tatkräftig und mutig unterstützen. Der Bürgermeister und die Verwaltung wissen, dass die Kameradinnen und Kameraden hoffen, sehr bald wieder in Ruhe und ohne negative Einflüsse ihre wichtige ehrenamtliche Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger machen zu können. Dabei möchte die Verwaltung gerne unterstützen.    

Wandlitz, 20. August 2021

gez. Oliver Borchert, Bürgermeister;  
Sascha Braun, Hauptamtsleiter 
und Ilka Paulikat, Ordnungsamtsleiterin 

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